Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 4 (1916-1917)
- Issue
- 5 (2.1917)
- Date
- 1917-02-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2425321-3181705-3181711--0703-3182490- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
es der VolkSnlurld), jeder mit einer Flasche Milch und einem Stück Butter in der Hand, glückstrahlend zu einer kleinen, geschützten Wiese zurück, die wir uu$ schon vorher znm Rastplatz auLerwählt hatten. - Wir gönnen uns nur kurze Ruhe, dann brechen wir aufdenn wir müssen den- 6.3S Uhr Zug in Chausseehaus erreichen, und es ist bereits */,6. Wir fragen eine Bäuerin um die Länge des Weges, sie meint, eilte gute Stunde dürfe es wohl fein. Nun, wir geben die Hoffnung nicht so schnell auf. Ich raffe mir schnell ein StrauSchen meiner LieblingSblnmen zusammen, ein farbenfreudiges Gemisch. Dann marschieren wir los. Doch bald geht uns der Atem ans, denn wir müssen steile Wege hinan, und die Zeit eitt. Inzwischen fängt es auch schon an zu dunkeln, und wie wir um 6 Uhr auf der ,Hohen-Wurzel" ankommen, wo sich der freie Himmel über uns ansbreitet, da hängen finstere Wolken an» Horizont, und eS ist schon ganz duster. Schwarze Tannen stehen auf der einen Seite in krassem Widerstand zum bedeckten Himmel. Die ganze Stimmung ist überwältigend geheimnisvoll Und wir auf dieser weiten Fläche die einzigen Menschen! Wir eilen weiter. Auf einem schmalen Pfad zwischen Tauueu gebt es abwärts; es ist der nächste Weg zur Station. Wir fassen uns an den Händen, und stimmen ein Lied an; so geht es in schnellem Takt über Steine und Wurzeln immer steil bergab. „Wohlan laßt das Sinnen und Sorgen, fegt die Angst aus der Seele heraus!" Da wird uns allen wieder das Herz leicht! Lied reiht sich an Lied, wir kommen mit rasender Geschwindigkeit vorwärts. Mitten im Laufen müssen wir nochmals halten, denn es fängt stark zu regnen an; wir wollen uns wetterfest machen. Dann geht's wieder weiter. Der Regen fällt, der Wind rauscht in den Buchen, die allmählich die Nadelbänme abgelöst haben, es ist schon beinahe ganz dunkel. Horch, was ist das? Ein Käutzchen läßt seinen Klageschrei ertönen; eS ist gruselig genug, und doch sind wir mutig; keiner wagt einen ängstlichen Ton. Will denn das Bahnhofsgebäude noch immer »licht anftauchen? ES ist 4 Minuten vor Abgang des ZngeS; werden wir ihn erreichen? -- Wir machen Laufschritt, und da hören wir auch schon in der Ferne das Bim-Bim-Bim des nahenden Zuges. Beinahe halten wir Schritt mit ihm. Im Augenblick, da er hält, leuchtet das rote Licht der Station aus dem Dunkel auf. In fliegender Hast lösen wir die Fahrscheine und springen noch gerade in den letzten Wage»», ehe der Zug sich in Bewegung setzt. Zwar müssen wir stehen, aber wir haben noch erreicht, was wir wollten, das ist die Hauptsache. Obschon wir bis aus'S Aenberste abgehetzt waren, sagten wir alle wie aus einem Munde: aber schön war'S doch! Und wenn ihr dabei gewesen wäret, wär'S noch schöner gewesen! Wiesbaden. Friedel AktuaryuS Srrkkoth ■*) Eine Sukkah haben wir uns gebaut. Noch fleht sie vor unseren Augen mit Ihrem grünen VlLtlerschmuck, ihren bunten Retten Noch ist die Erinnerung lebhaft in nns an die Schönheit jener Nacht, die wir in der Laubhütte verbrachten. *) Die beiden Sukkoth-Berichte konnten aus Raummangel nicht in die vorige Nummer aufgenommen werden. Die Schriftleitung.