Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 4 (1916-1917)
- Issue
- 5 (2.1917)
- Date
- 1917-02-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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völlig auf mich eindrinzen lassen. Dann meinte er, indem er den Kopf mit leisem Lächeln hin« und herwiegte: So viel, wie der Manu hat gewußt, wie eigentlich anssieht de Milch, so viel wissen wir au» •ien Büchern, wann is aus der Krieg!" Hans Goslar Limchaß-Tauroh in Polen 2\. so. ltzlS. . . . . Nur kurz: ich stehe noch ganz unter dem Eindruck dieser Tage! Es ist der erste wirkliche Simchaß Tauroh-Abend, den ich jemals mitgemacht habe. Es wird mir kaum noch möglich sein, je wieder noch eins der feierlichen Erinnernngskonzerte mit an» zuhören, mit denen man uns in Deutschland traktiert, hier trotz allen Elends und Hungers doch echte Freude, , ein jüdisches Volksfest! Wie die Inden ihre Thora halten und küssen, mit ihr tanzen und jubeln, das ist eben so lustig und schön wie ergreifend! Aus Allein spricht der Stolz und Jubel über das, was uns keiner nehmen kann. (S* kann dir nix geschehen!) „Das haben wir, —das Buch, —die Lehre I Wir allein!! Sonst keiner!" — Es ist wirklich einer der schönsten Eindrücke meines Lebens und eigentlich müßte inan doch hierher ziehen, wem» man nicht nach Palästina kann! Wundervoll, die Kraft und der Lebensmut unseres Volkes! — So nichts von der albernen Frömmigkeit des Puritaners! — Ich sehe immer den kleinen Scheerenfchleifer vor» der Ecke, ein rührendes Männchen, wie er inbrünstig und von glücklicher Heiterkeit strahlend ein Sefer nach dem andern küßte. — Morgen mehr und geordneter! — Aber ich bin ganz voll! Und noch fast trunken, nicht nur von den diversen Schnapsen in den diversen „Schuls" l , 22. {0. 1916. . . . . Und dann kam Simchaß-Tauroh! Was ich aus Erzählungen und Literatur kannte, aber mehr als phantasievolle Ansfchinückung hingenommen hatte, wurde Wahrheit. Soviel Brunst und Liebe, mit denen jedes Sefer begrüßt, geküßt, gestreichelt wird, macht uns di« Rolle wirklich, zu einein lebenden Wesen! Es strahlt aus den Gesichtern etwas wie rechte Dankbarkeit, heitere Rührung! Sie sind in der Zeit' wirklich glücklich und vergessen all ihr Elend! Dabei sagen fie, dieses Jahr fei es nichts, nur ein Abglanz, nur eine Er» innerungl — Und diese Schar von Kindern mit kleinen Rollen, mit Fahnen und Lichtern, — eine im dunklen Gedränge unerschöpflich scheinende Generation, die jedes Eckchen füllt, auf der Bime, auf den