Mannheim
Compact Memory

Blau-Weiss-Blätter · 1917-02-01 · 5 (2.1917) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
4 (1916-1917)
Issue
5 (2.1917)
Date
1917-02-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2425321-3181705-3181711--0698-3182485
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Treppen, unter den Ständern und Bänken hervorquillt, mit leuchtenden, glücklichen Augen — woher das Glück? — Barfuß, zerlumpt bisweilen, — aber glücklich, — restlos glücklich! — Morgens dasselbe Bild, -- immer weiter aushebey, kamen, — singen, tanzen, — einheben u. s. w. ad infinitnm von früh bis in den Nachmittag hinein. — Und hier eine Broche machen über ein Glas heute selten gewordenen Schnapses, — da über ein Stückchen Auchen — alte Juden, Gefangene, deutsche Soldaten, — alles durcheinander, auch Frauen in Schul. — Dann im kleinen zionistischen Minjan gar eine große tust; endlich einmal ein Gottesdienst mit Tigarettenrauchen l Reigentänze improvisiert I — Nachmittag bei <L. komme ich in einen ganz verrückten Trubel, — Tanz, Gesang! — Wie in Nizza werde ich in den Reigen hineingeriffen; di« würdigen alten, — nur alt aussehenden Leute, der Thasan, der Sohn vom Raw, ein prächtiges, bärtiges kleines Mädchen packen mich gleich, ich drehe mich um und fange an, mein europäisches Gleichgewicht zu verlieren und so ad infinitum. — Jüdische Freude! — Dann werde ich noch mitgeschleppt zu verschiedenen Familien. Also jedenfalls, ich habe «in jüdisches Freudenfest erlebt! Und ich habe es nicht für möglich gehalten, das alte» und jung« Juden — so lustig sein können. Ich bin noch ganz voll davon und glücklich,' solches zu entdecken k Jetzt denke ich an die Feste in Jerusalem und in den Aolonienl — Und mit doppelter Wut gehe ich daran, an die deutschen Juden, die feierlich langweiligen, zu denken. — .... Fahrten und Feste Wahrten Wir freuen unS auf sie von Woche zu Woche, weil sie uuS wieder zusammen» bringen, un» die Werktage in der Stadt vergessen taffen, weil wir »ns erst draußen in der freien GotteSwelt wohlsuhlen, beieinander, Gleichgesinnte, Gleichgestimmte Seit wir ein Heim haben, machen wir viele, Nachtfahrten in lauen Sommer», nächten, kühlen im Herbst und kalten im Winter, und jede hat ihren eigenen Charakter, und in jeder erleben wir di« Nachtfahrt anders, ob uns die funkelnden Sterne begleiten, ob uns der helle Mond auf einsamen Wege leuchtet, oder ob die Rächt t« undurchsichtige» Dunkel gehüllt ist. Wir legen nn» hin und lauschen de« Stim» men der Rächt, ein Bächlein rauscht, plätschert, gurgelt, die Bäume ächzen im Winde» m ' ■

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.