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Blau-Weiss-Blätter · 1917-02-01 · 5 (2.1917) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
4 (1916-1917)
Issue
5 (2.1917)
Date
1917-02-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Verwandten, und jedes seiner Worte tu sich einsogen. Wenn er sprach, wurde es still. Er sprach anch sehr leise . . . . Ich kann natürlich nicht behaupten, -aß ich eiüen Einblick in 'das Thassideirleben gewonnen hätte. Immerhin scheint mir sicher, daß die lebendige Macht der Rebben noch groß ist. Auch legen sie auf das Gebet und die Inbrunst des Gebetes noch immer besonderen Wert, beten anch viel länger als die Miffnagdim. Am Rausch-Hafchonoh haben sie bis drei Uhr gebetet .... L)err A. erzählte dann, fei selbst sechs Jahre bei den Lhassidim gewesen. Sie hätten viel gutes, anderes, was ihm nicht' gefiele. Er ist jedenfalls wieder von ihnen abgekommen. Er sprach z. B. von besonderen Waschungen, die, wie er meinte, für die Reinlichkeit gut seien, aber schlecht, wenck man von ihnen besondere Wirkungen erhoffe. Trotz alledem bat er mich sehr, ich sollte am Sonntag nach Rausch-haschonoh mit ihm zum Rebben gehen und mir eine Broche geben lassen. Er versprach sich davon Gutes für mein Rriegsschicksal, es schien ihm viel daran zu liegen, denn er kam wiederholt darauf zurück .... Aausch-haschonoh im Felde Mskae Fried (Teplitz-SchSnan) .... Durch Armeekommando-Befehl wurde uns Juden der 28. und 29 August zum Besuche des Feldgottesdienstes freigegeben, wir befanden uns gerade in Ruhestellung, und so versäumte ich es natürlich nicht, den Gottesdienst zu besuchen. Das Bethaus selbst war eine einfache Baracke, in welcher sich einige Bänke befanden. Ebenso war der Al-Mernor ein einfaches Holzgestell, auf dem, weiß überdeckt, eine ThoraroÜe stand. Gegen 8 Uhr morgens füllte sich der Raum. Auch einige russische Rriegsgefange, mit denen ich mich unterhielt, ~ sie sprachen sehr gut deutsch — befanden sich unter den Anwesenden.' Sonst gab es fast durchweg polnische Inden, die mit dem Tallis angetan, in ihrer leidenschaftlichen weise beteten. Da ich dieser Art nicht, folgen konnte, nahm ich mir ein Gebetbuch und setzte mich in eine Ecke .... Auf einmal klingen die Worte: »tekioh, tcruoh" und gleich darauf tönt mahnend der Schofar durch den Raum, kündend, daß heute unser Geschick bestimmt wird. Und als man dann das .UnessLuetoKek" begann mit seinen herrlichen Worten: „Am Rosch-Haschonoh wird es niedergeschrieben, am Jom-Rippur besiegelt, wer am Leben bleibt, wer durch Feuer, wer durch Rrankheit, wer durch das Schwert sterben soll . . ." da blieb kein Auge trocken, wie ein Wahrzeichen hierfür donnerten draußen die schweren Geschütze, daß alles er. zitterte. — Im Hinterlande kann man unmöglich die Gefühle haben, die man hier draußen, fern von der Heimat und allen Lieben, bei einem solch erhebenden Ge- .■ ' y ' ' "s-- .123

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