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Blau-Weiss-Blätter · 1917-02-01 · 5 (2.1917) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
4 (1916-1917)
Issue
5 (2.1917)
Date
1917-02-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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harrten. Der Rebbe wohnt in einem sehr ansehnlichen, einstöckigen Hans . . . Wir traten in ein Zimmer, aus dem uns schon von weitem Gesang entgegenschallte. Ls war gedrängt voll von Menschen. An einem langen Tisch mit weißer Decke saßen die Aelteren, die Jüngeren umstanden ihn in dichter Menge. An einer Schmalseite präsidierte -der Rebbe, rechts von ihm saß sein ältester Sohn, der Erbe der Thrones, ebenfalls schon mit der Würdenmütze versehen, links von ihm ein Enkel, ein Zunge von vielleicht zwölf Zähren. Der Rebbe war noch sehr rüstig, ein großer Mann, mit großen, dunklen, lebhaften Augen. Bei beiden Rebbe» fand ich insofern eine Nebereinstimmung, als sich zweifellos in ihren: ganzen Aeußeren das Macht» bewnßtsein über die Herzen der Gläubigen deutlich ausgeprägt. Diese Rebbengeschlechter bilden ja erbliche Dynastien und in ihrem Gesicht ist sozusagen ein regierender Zug erkennbar. Während der Raw in der großen Synagoge ein kleines Männchen war,— wie ein Gelehrter aussehend. Dieser Rebbe sah schon äußerlich so imponierend aus, daß man begreifen konnte, daß ihn die Thaffidim als ein höheres Wesen verehrten. Bei unserm Eintritt brach zu ineiner großen Verlegenheit der Gesang mit einem Schlag« ab. Auch nachdem Herr A. mich eingeführt hatte, wobei er nicht vergaß, meines Maftir-Erfolges zu gedenken, entstand noch eine ziemliche Stille. Der Rebbe überlegte sichtlich, plötzlich schob er mir nnt einem Ruck seinen gefüllten filber nen Becher hin, was, wie ich höre, eine ganz besondere Ehrung bedeutete. Zch trank unter lautlosem Schweigen der Anwesenden, und als ich abgesetzt hatte, klang von verschiedenen Seilen ein ermunterndes leodajiml Zch wußte nicht, daß man dem Rebbe nach dem Trinken lechajim wünschen muß. Bald kam ein Teller nnt Gbst, ein anderer Mit Marmelade, schließlich noch ein rosinenweinartiges Getränk. Alles das muß man zu sich nehmen, eine Ablehnung, empfand ich, ist ganz ausgeschloffen. Nur a» den: Gbst durfte sich Herr A., von einer handbewegnng des Rebbe eingeladen, beteiligen. Schließlich bat ich, — wie ich gestehen muß, ziemlich schüchtern, — es möge doch wieder gesungen werden. Da wurde der Gesang, wenn auch nicht mit der alten Zntensität, wieder aufgenommen. Es waren die chaffidischen Weisen, wie ich sie ja zuweilen schon gehört hatte, mit den vielen Wiederholungen, den zahlreichen Znterjektionen, mit Händeklatschen, and Aöpfewiegen. Während meine ungewohnte Erscheinung die Aufmerksamkeit wieder etwas ablenkte, sah ich doch einige, die wie ge- . bannt auf den Rebben blickten, buchstäblich nicht ein Auge von ihm

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