Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 4 (1916-1917)
- Issue
- 5 (2.1917)
- Date
- 1917-02-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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mir der Baal-kaure') das Wort aus dem Munde und damit die haftanre selber. Also ein anderer Minhag2) als bei uns. Dennoch war die größere Ueberaschnng auf Zeiten der h.'er, als ich dann bei der Schluß-Beroche meine Stimme zu dem höchsten Schmelz und größten Tonlcistungen anspornte und eine einwandfreie Barmizwe- Leistung hinlegte. Ich glaube nicht zuviel zu sagen, wenn ich be> Haupte, daß sich bei den schönsten Stellen Herr A. und der Lhasen gegenseitig znnickten. Und wenn ich am Nachmittag durch die Straßen ging, sah ich es den Gesichtern an, daß sich der Ruhm dieser Tat mit Blitzesschnelle unter den Besuchern von sechzehn Synagogen verbreitet hatte. Herr A. betrachtete inich seit diesem Augenblick mit geradezu väterlichem Stolz. Gs gelüstete mich nun auch noch die Thassidim kennen zu lernen. Ich hatte dazu zwiefach Gelegenheit; denn der Rebbe von I. befand sich auch in h. Als ich ihn bei seinem in h. ansässigen Sohne besuchte, waren sie gerade dein» Benschen2). Gr saß, umgeben von einigen Getreuen, in einem Sessel, ein sehr alter Mann, mit langem, weißem Bart, mit der pelzbesetzten Mütze und einem langen, ein wenig bunten, seidenen Aaftan. Gr sah ziemlich schwach und körperlich gebrochen aus. Man sagt, er habe auf der Flucht den ganzen Weg zu Fuß znrücklegen müssen. Herr B., der mich geleitete, erklärte: „Gin jüdischer Offizier, macht sich die Ghre, . . . ." usw. Zuerst zog der Rebbe eine Zigarre aus seiner Brust hervor, und ich nahm sie dankend an. Ich begriff, und hatte im Laufe des Tages noch öfter Gelegenheit, es zu empfinden, daß der Rebbe durch solche Geschenke seinen Gast auszeichnet. Gr erhob sich dann, und er, sein Sohn und ich, gingen in das gute Zimmer, während die anderen zurückblieben. Das Zusammensein blieb aber ziemlich int Formellen stecken; der Rebbe war sehr schwacher hörte auch sehr schlecht, sodaß - der Sahn alles verdolmetschen mußte. Ich unterhielt mich mehr mit dem Sohne. Der behauptete, daß es heute nur noch unwesentliche Unterschiede zwischen Thassidim und Missnagdim gäbe, die Thassidim „lernten" auch eher mehr als weniger als die M'ffnagdim.. Ich ging bald fort und machte mich Mit Herrn A. auf den Weg zum h.-er Rebben, wo es wirklich chassidisch zuging. Als wir in die Straße bogen, in der er wohnt, sagte Herr A., daß ini Frieden in der Rauschhaschonoh-Zeit so viele Menschen aus der Umgegend . . . zum Rebben kämen, daß die ganze Straße dicht voll Wartender sei, die auf Zutritt *) Vorbeter für di« Thoraverlesung. *) Sitte. *) Tischgebet.