Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 4 (1916-1917)
- Issue
- 5 (2.1917)
- Date
- 1917-02-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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hat. Ich sprach mit Herrn A. über dar Semires-Singen, er legte darauf wenig Wert. Das tun die Thassidim. .... Als wir uns trennten, waren wir gut befreundet. Ich durfte die sehr herzliche Einladung zur Wiederholung des Besuches als aufrichtig anfehen und auch mir hatten ineine Gastgeber gut gefallen. Besonders Herr A. mit seinen klugen, sogar listigen, aber auch gütigen Augen und seinem Patriarchalischen, aber doch temperamentvollen Wesen und Frau B. mit ihrer lebhaften Gescheitheit. Vom nächsten Tage ist. nicht viel zu berichten . . . Die großen Ereignisse, nämlich mein Mastir-Sagen und der Besuch bei dem oder den Rebben trafen am zweiten Tage zusammen. Ich bekam am zweiten Tag Schlischi, persönlich verliehen durch Herrn A. Mein Schlischi fiel also bei der großen Versteigerung aus. vor dem Ausheben näntlich wurden die einzelnen Aliaus*), versteigert. Ich wußte zuerst garnicht, was der Schamefch wollte, der oben vor dem Araunhakaudesch 8) auf- und abging und in fingendem Tone bald nach der einen, bald nach der andern Beite etwas in das wogende Stimmengewirr der Wenge hineinrief. Schließlich verstand ich: „Ein Rubel für Schein, zwei Rubel für Scheni nsw." Sofort beschloß ich, bei Maftir alles zu überbieten, um es Herrn A. oder dem Rebben mechabed zu fein3). Ich beauftragte also meinen Nachbarn, bei Maftir in meinem Namen immer einen Rubel mehr zu bieten als der Vortnann. Entzückt entledigte er sich seines Auftrags, und ich erstand es, billig genug, für fl Rubel. In Friedenszciten fei alles teurer, sagte man mir. Die geistigen Güter sinken in dem Maße im Werte, wie der Preis der materiellen Güter steigt, könnte man sagen. Nachdem ich nun Maftir hatte und beschlossen hatte, es dem Rebben zu dedizieren, fing mein Nachbar an, mich mit Bitten zu bestürinen, Maftir selbst zu nehmen und dem Rebben Schlischi zu stiften. Maftir passe sich nicht für den Rebben, für ihn sei Schlischi das Richtige, und die ganze Gemeinde wird erfreut sein, wenn ich Maftir sagte. Ich merkte zwar, daß ihm nur etwas an der Senfation lag. Aber nachdem ich mich vergewissert Halts, daß nichts Anstößiges darin lag, das mir — übrigens nicht kostenlos — übertragene Schlischi weiter zu geben, fügte ich mich. Es war wirklich - «ine Sensation I Als ich anfing, wurde es säst still in der Synagoge. Ich erlebte nun zunächst selbst eine Ueberraschung, denn als ich nach - der ersten Beroch« mich dem eigentlichen Text zuwenden wollte, nahm *) Aufrufe zur Thora, unter anderen di« oben erwähnten Schenk, Schlischi, Maftir. *) heilige Lade. *) zu verehren. 420