Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 4 (1916-1917)
- Issue
- 5 (2.1917)
- Date
- 1917-02-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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«ine Familie aus).bei sich ausgenommen, und ich «nach« die Bekanntschaft von Herrn und Frau B. .und drei kleinen Töchtern von vier -bis acht Jahren, auf die ich zuerst sehr komisch wirkte. Wenn ich 'sie ansah, krochen 'sie lachend unter die Tischdecke. Allmählich 'wurden 'die beiden älteren etwas zutraulicher, schließlich brachten sie stolz ihr hebräisches Lesebuch. Sie lernen hebräisch sprechen und hätten in ■ manchem Sprachkurs in Berlin mit Erfolg anftreten können. Nun gab es «in regelrechtes Rausch-haschonoh-Abendessen mit allen dazügehörenden Brochaus*). Nachdem ich den Aidusch absolviert hatte, war Frau Ä., eine seht lebhafte Dame, die nrich immer sofort und besser verstand, als die Männer, sehr befriedigt. Sie vertritt die stelle der Hausfrau und zeigte sich als echte jüdische Hausmutter, indem sie nicht ruhte noch rastete, bevor ich in» Essen fast erstickt wäre. Die Unter- Haltung drehte sich um die naturgegebenen Themen: wie lange der Arieg dauere, sollte ich sagen, — die jüdischen Zustände in Deutschland, — das Ariegsleid der russischen Juden, — das politische Schicksal der hiesigen Gegend. Das Ariegsleidl Herr B. z. B. hatte vor dem Arieg ein großes Asphalt- und Holzgeschäft in Z., „ein reicher Mann", wie mir Herr A. empfehlend schon vorher erklärt hatte. Jetzt ist er, sagte er, ruiniert. Das sagen viele und werden damit sicher recht haben. Um so bewundernswerter ist es, wie große m o ralische Reserven sie Haben: „Wenn nur der Arieg aus ist, wird Gott schon helfen". Ich glaube, ein russischer Jude erträgt persönliches Mißgescknck verhältnismäßig leicht, einmal wegen seines Gott» vertrauens, und dann, weil er darin die Erfüllung eines unabänderlichen Volksschicksals sieht. In h. kommt zu allen wirtschaftlichen Verlusten hinzu, daß man für den Fall der Rückkunft der Russen Pogrome 'befürchtet. )ch fragte mich, wie Menschen in dieser Angst — die . Hauern drohen ganz laut —• leben und auch, wenigstens zuweilen, lachen können. Gottvertrauen und jüdischer Optimismus. Das Gespräch 'war für mich sehr interessant, für meine T'schgenossen wurde es anziehender, als Herr Ä. das Gespräch entschlossen auf das persönliche ' Gebiet lenkte. Was ich wäre, — was der Vater, — wieviel Geschwister ich hätte, — ob ich verheiratet wäre soholj, —7 ob ich Hinter hätte. . i / Die ganze Atmosphäre eines solchen )ontef «Hbends ist .im .gründe genau so, wie bei uns. Ue'b'erhanpt glaube ich, daß gerade .hie.litauische Orthodoxie mit unserer deutschen sehr viel AehnlichkeÄ *) Segenssprüch». UV