Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 4 (1916-1917)
- Issue
- 5 (2.1917)
- Date
- 1917-02-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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meine überaus sachgemäße Behandlung des Buches trug mir die bekannten, freudig-verständnisvollen Blicke und eine Einladung ein, am <8ausch.Ha>chonsh dem Gottesdienste beizuwohnen. Das tat ich denn . auch, und als ich am Abend, ich meine Vorabend, des ersten-Tages ^erschien, wurde ich sehr freudig ausgenommen. Ich erhielt einen «Ehrenplatz an der Gstwand, sodaß ich also sitzend die Synagoge übersehen konnte . . . Der Gottesdienst ist ganz wie bei uns, nicht gerade wie in der Artilleriestraße, aber doch in Messingwerk. Trotz Her unverkennbaren Aehnlichkeit, die darin eben besteht, daß jeder für Sch betet und sich erfreulicherweise doch immer mit dem Ehasen*) zu» -sammenfindet, muß ich sagen, daß ich von der Intensität des Lärmsüberrascht wurde. Er überstieg meine Erwartungen erheblich. Wenn es zu arg ist, klopft ein Schamesch^j, der auf den» Almemor») steht, energisch mit einem Klopfer, dann dringt die Stimme des Ehasen für Augenblicke durch. Am nächsten Tage, wo ja dem Ehasen manches «Solo reserviert ist und ein sehr stimmbegabtewMann seines Amtes waltete, war es besser, ain schlimmsten aber... bei unssave taukef, wo die Frauen so jannncrten, daß am ersten Tage das berühmt» Solo des Ehasen ganz verloren ging. Trotz aller Proteste von unten , waren sie nicht zu beruhigen. ... Am ersten Abend in der Synagoge nach der Schemone» essre 'sagte mir mein Nachbar . . . sehr wohlwollend, daß er mit meinem Dawnen 4) zufrieden sei. Es entging mir auch nicht, daß ich .die Aufmerksamkeit nicht bloß der zahlreich um meinen Platz versam» melten Jugend, sondern auch der Alten dadurch erregte, daß ich immerhin offensichtlich wüßte, an welchen Stelle,» n»an aufzustehen habe. -Kurzum, es war das große Erstaunen über einen deutschen Juden, noch dazu in Gsfiziersuniform, von dem sie allmählich immer niehr feststellen konnten, daß es in Deutschland noch irgendwo ein jüdisches Leben geben müsse. Sicher ist es sehr schwer, ohne intime Kenntnis der jüdischen Gebräuche dem Gemüt des russischenJuden nahezukommen, mit dieser Kenntnis jedenfalls viel leichter. Nach Schul begrüßte mich fjerr A., der, wie sich heraüsstellte, das Amt etwa eines „Vorstehers" in der „Gemeinde" bekleidete. Ich legte ihm nahe, mich zum Essen Anzuladen, denn von allein hätte er es doch nicht gewagt,— die Uniform wirkt« noch zu sehr. ... Bei Herrn A. zu Hause! Die Frau ist' „in Rußland", vor einem Jahre, kurz vor den» Einzug der Deutschen/ abßereist. Er hat £;:•! Vorbeter. *) Diener. •) Estrade. H Bete».. W ■