Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 4 (1916-1917)
- Issue
- 5 (2.1917)
- Date
- 1917-02-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Hameln zog ich, einen ganzen Schwarm von Jungen hinter mir, in eine Synagoge, wo gerade Minche gebetet wurde. Nachher wurde gelernt. Lin Reb Efrajim, der in» Frieden, wie ich höre, die Gegend bereist, und an einem Schabbes hier, am anderen dort sozusagen predigt, lernte mit den großen Jungen IbensebH, und zwar oben in der Frauenschuh wahrend unten zun» zweiten und dritten Male Mincheh gebetet wird. Ich Hörte zu, setzte mich neben einen Jungen, was, wie ich wohl sagen darf, sehr „bemerkt" wurde, und so sammelte sich bald die gairze Gemeinde an. Reb Lsrajim trug vor und zwar in einer sehr «igentüinlichen, mir ganz neuen, übrigens sehr instruktiven -Art, indem er nämlich Text, Uebersetzung und Erklärung in ein und demselben singenden Tonfall miteinander verband. Also alles im N'gun8), auch die von ihm selbst hinzngesetzten, wie gesagt sehr eindringliche»» und klaren Erläuterungen. Nachher schlossen wir Freundschaft, er bewies mir, wenn ich nicht irre, a»»s dein Buche Daniel, daß der Arieg sieben Jahre dauern würde, wobei er jedoch auf meinen lebhaften Protest hin sich entschloß, den Balkankrieg als erstes Jahr der kabbalistisch geweissagte Weltkatastrophe zu zählen,und wobei er erfreulicherweise auch noch eine Talmudstelle zitieren konnte, nach der mai» ein angefangenes Jahr gleich einem vollendeten ganzen oder doch halben Jahr rechnen könne. Wir gingen dann zusam»nen fort, er hatte den gleichen Weg wie ich. Er erzählte mir von seiner Familie. Seine Tochter von 20 Jahren — „ein so schönes Mädchen ist nicht gewesen in der ganzen Stadt" — starb in» vorigen Jahre an Typhus, wie denn dein» Rückzuge der Russen und der Verfolgung von den unzählige,» Aolonnen viele Epidemien eingeschleppt worden seien., Es fiel mir auch sonst auf. daß viele Mädchen mit kurzgeschnittenen Haaren gingen, — eine Folge von Arankheiten,.wie man sagte. Sei,» einziger Sohn dient im rassischen Heere, er hat natürlich seit la»»ger Zeit von ihm keine Nachricht. ») Bibel. *) Melodie. Äausch-Haschonoh in Polen. ..... Die näheren Beziehungen zur Gemeind« H. knüpfte ich bet einen» Besuch der großen Synagoge an. Ich ging dorthin mit «inen» Aameraden ... Es wurde gerade gelernt, und wir fragten «ach alten Büchern, für die sich »nein Begleiter interessierte. Herr A., derselbe nämlich, mit dem ich später große Freundschaft schloß, zeigte «ns «ine hebräisch-lateinische Konkordanz «ns dem Jahre 1623, und . u*