Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 4 (1916-1917)
- Issue
- 4 (12.1916)
- Date
- 1916-12-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Junge schaut mit großen, dunklen Augen von einem zum andern. Während der Alte die „Broche" spricht, betet die Frau leise mit. Der Junge schmiegt sich an dir Mutter. Sanft legt sie ihm die Hand auf den Kopf, und mit reiner, heller Stimmt fängt das Kind das Channkkahlied an: Moaus zur jeschuoasi! Bei der zweiten Strophe bemerkt mich der Greis. Da trete ich an den Tisch und singe mit. Alle drei blicken mich mit freudigem Staunen an. Als das Lied zu Ende ist, legt der Alte segnend seine Hände auf das Haupt der Frau, dann auf das des Knaben. Zaghaft nähere ich mich, und er spricht auch über mich den Jeworechecho adonoj wejischmorocho. Seine Augen blicken strahlend auf uns drei, und bald fragt mich die Frau, woher ich sei. Ich erzähle kurz und will auch etwas von ihnen hören. Der Frau kommen die Tränen in die Augen, aber ihr alter Vater spricht ihr Mut zu: „Es wird schon wieder besser werden, Nachele, nächstes Jahr so Gott will zu Channkkah, wirst sehen, Rachele!" Sie lächelt unter Tränen und küßt ihren Jungen. Dann setzen sich die drei auf die Ofenbank, und der Großvater erzählt dem Enkel die Ehannkkahgeschichte. Erst mit zornbebender Stimme von den Qualen der Juden unter Antiochos Epiphanes, aber als er zu den Heldentaten der Makkabäer konnnt, steht er auf und spricht mit stolzer, lauter Stimme. Ich sehe noch das kleine Cbannkkahlichtchen, das mir so viel von meinen Zlhnen erzählte, verlöschen; in tiefer Ehrfurcht danke ich dem Alten, und gehe bewegt nach Hans, llnd immer noch höre ich die Stimme des Juden, die zuletzt freudig und stolz klang, als hätte er damals selbst alles miterlebt. R a t i b o r E r n a S i l b e r m a n n Unsere erste Airschfahrt wieder war eine Fahrt, auf die wir uns, wie auf eine jede, sehr freuten. Nachdem sich alle Wanderer zusammengefunden hatten, gingen wir unserm Fiele entgegen, Heute sollten wir, wie Gisa gesagt hatte, Gelegenheit haben, uns an Kirschen satt zu essen wir freuten uns nicht nur auf diese> sondern noch auf etwas anderes, denn es wurde uns gesagt,' daß wir noch etwas für uns sehr Erfreuliches erfahret» würden. Die liebe Sonne, welche heute in ihrer ganzen Pracht am Himmel stand, ließ ihre Strahlen auf uns fallen, sodaß wir nicht wenig schwitzten. — wo ist die Kirschbude? Bald hatten wir sie erreicht, und schon wurde sie von uns bestürmt. Alle zeigten hier dieselbe Eigenschaft, nämlich die, keine Kirschen sehen zu können, und bald waren sie in unserm ziemlich großen Magen verschwunden. Hans wurde durch die süßen Kirschen wohlgestimmt und erzählte uns nun von einer Nachtfahrt, welche er mit einigen Leipzigern und Berlinern von Lockwitz aus unternommen hgtte. Er schilderte uns, wie es ist, wenn der Mond durch die zerrissenen Wolken, schaut, und man ab und zu von einem rauschenden Bach aufgeschreckt wird. Bald fanden wir -inen schönen Lagerplatz und machten uns nun Über das Essen her. Jetzt aber offenbarte uns Haus, was die Neugierigen auf die Folter gespannt hatte: wir dürften die sechs letzten Tage der großen Ferien ins Landheim. Das war eine Freude, und die Rede wurde, obwohl sie noch nicht zu Ends war, durch lautes Hedad und andere Freudenrufe unterbrochen — „aber-, fuhr er fort# „ihr müßt die Erlaubnis des Blau-Weiß und der Eltern haben!- Das brachte Ruhe. Bald darauf trafen wir die Großen, welchen das fstr uns so wichtige Ereignis sofort mitgeteilt wurde. Lin Wettsingen begann, kontite jedoch darum nicht zu Ende geführt werden, «eil der Zeiger uns schon das Endr der io©