Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 4 (1916-1917)
- Issue
- 4 (12.1916)
- Date
- 1916-12-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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schehen, beschlossen sie, den Sarg in einer Airche beizusetzen. Aber sobald sie sich dem Nachen näherten, wich er ihnen aus. Erst als einige Juden ans Ufer kamen, steuerte er auf sie zu. Sie fanden einen Brief R. Amrams im Rahn mit der Bitte, ihn neben seinen Eltern zu begraben. Aber die Christen wollten den vermeintlichen heiligen nicht in der Zuden Händen lassen. Doch kaum hatten sie ihn ergriffen, so wurde er eisenschwer und ließ sich nicht von der Stelle bringen. So blieb denn nichts anderes übrig als über dem Sarge, eine Airche zn bauen. Jedoch jede Nacht erschien R. Amram seinen Schülern im Traum, bis sie endlich den Leichnam heimlich ausgruben. An der Seite der Eltern fand der alte Rabbi endlich seine Ruhe". Nicht viele Lichtpunkte, wie das Auftreten Amrams, gab es für die TLlner Gemeinde. Manchmal sogar ballte sich das dunkle Gewölk der Gefahr noch dichter zusammen. 3nt Jahre IO96 zogen die fanatischen Scharen, die sich das rote Zeichen des Arenzzuges angeheftet hatten, den Rhein entlang und wüteten furchtbar gegen alles, was sich nicht zur Airche bekannte. Selbst der Erzbischof von Eöln, der den Juden wohl gesinnt war, konnte gegen diese Horden von Tausenden überreizter, wilder Menschen, noch dazu den schlinnnsten Elementen aus aller Herren Länder, nichts ausrichten. An zwei Tagen wurden in der Zndengaffe \500 Zuden abgeschlachtet, andere lebendig begraben. Dieser Schlag und die nachfolgenden Bedrückungen legte auf alle Gemüter jene tiefe Schwermut und Gleichgültigkeit gegen das Leben, wie sie das Ghetto kennzeichnet. Da kam auf einmal di« Runde, der Messias sei aufgestanden und werde mit starker Hand die Juden in das Land ihrer Väter' zurückführen. Es ging ein Aufleuchten durch jede Brust. Alles ließ man liegen. . Die wenigen Habseligkeiten wurden zusammengepackt und viele Familien wanderten blindlings aus, dem Messias entgegen. Doch sie kamen nicht weit, von Raub und Hunger geplagt, gingen sie zu Grunde. Einige wurden auch in Süddentschland angefiedelt. Der Sturm von Hoffnung und Freude, den jener Sabbatai Zavi über Europas Zuden gebracht, war bald vorüber. Auch die Juden LÜlns mußten einsehen, daß die Erfüllung ihres Lehnens nach dem Land« ihrer Väter einer anderen Zeit Vorbehalten bleibt. Ed ln ' Alfred Mayer S>2