Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 4 (1916-1917)
- Issue
- 4 (12.1916)
- Date
- 1916-12-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Mt den Römern, für die Töln eine wichtige Festung gegen den Ansturm der Germanen bedeutete, kamen schon um die Zeit, als Jerusalem in Trümmer sank, die ersten Juden als Händler bisher und siedelten sich an. schnell wuchs die Gemeinde, bis sie schließlich 2000 Mitglieder zählte. Schon früh hatte gerade sie unter den Stürmen zu leiden, die - .der Kampf zwischen Kaisern und Königen in Deutschland hervorrief, und nur wenige Teile des zerstreuten jüdischen Volkes waren unter den stets wechselnden Regierungsformen so oft in ihrer Existenz bedroht, wie die Tölner Juden. Gewährte ein weltlicher Fürst ihnen Freiheiten, so war es dem geistlichen nicht recht und so ist auch die äußere Geschichte der Tölner Gemeinde nichts anderes als eine Reihe von Bedrückungen und Erschwerungen des täglichen Lebens und deren Abwehr, die sie mit ihrer ganzen Zähigkeit betrieb. Bald entstand auch hier jenes in sich gekehrte Ghettoleben. Mächtige Kräfte mußten nutzlos verpuffen, weil sie keinen Raum zur Entfaltung hatten. Unter der Asche glomm leise das Feuer, und hellodernde Flammen durften nicht herausschlagen, sie wären von allen Leiten ausgetreten worden. Aber dieses «ach Jnnengerichtetsein machte die Juden zäh und schmiedete sie eng aneinander. Sie lernten die Dinge der Welt verachten und warfen sich mit ihrem ganzen Eifer auf das Studium von Bibel und Talmud. Rabbi Amram aus Main; gründete in Töln eine Gelehrtenfchnle und bald galten die „Weisen Lölns" als talmndifche Autoritäten. Aus den entferntesten Gegenden reisten Schüler nach Töln, um von R. Amram und seiner Schule zu lernen. Und dieser erschien den Juden wie ein gottgesandter Mensch. Es war so voll Abgeklärtheit und stille Lebensfreude zugleich,' daß es sie für Zeiten ihr ganzes äußeres Elend vergeffen ließ. Die Legende wob einen Kranz von Erzählungen um ihn. „Als er", fo wird erzählt, „während einer Belagerung Tölns fein Ende nahen fühlte, beschwor er seine Schüler, seine Leiche nach Mainz zu bringen und ihn neben seinen Eltern zu bestatten. Als sie ihm aber die Unausführbarkeit seines planes schilderten, sagt« er, man solle seinen Sarg nur in einen Nachen auf den Rhein bringen; der Strom werde sein übrige» schon tun. Und wirklich, kaum war der Sarg auf dem Waffer, als sich der Nachen gegen den Strom in Bewegung setzte und erst in Mainz anhielt, hier sahen di« Bewohner voll Verwunderung das seltsame Fahrzeug herankommen und in der Meinung, .es könne nur mit einem heiligen solch' ein Wunder ge-