Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 4 (1916-1917)
- Issue
- 3 (10.1916)
- Date
- 1916-10-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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nute für Minute tropfte in die Ewigkeit. Keiner rührte sich von feinem Platze, und jeder fühlte die Schlinge, die langsam feine Kehle zu» fammen schnürte. plötzlich zerriß die Stille vor einem grellen Schrei,, der ans der . Unterstadt kam, den, Berg Zion emporkletterte, sich über die Mauern des Königsfchlosses schwang und den ganzen großen Palast erfüllte bis in feine fernsten Winkel. Jetzt war alles Lärm, Erregung, ratlose Haft. Im Hof tönten laute Befehle; Geharnischte rasselten über Flure und Treppen. Alles aber ging unter in dem dumpfen Brausen, in dem Rauschen erregter Masten, das aus der Stadt empordrang, im schrillen Schall der Trompeten, der von jauchzenden Schreien überlöm wurde. Die Priester und Höflinge waren starr vor Schreck: Der König starb! Was jubelte das Volk? Sie liefen durcheinander wie Lämmer, wenn der Wolf um die Hürden streicht. Vom Burgdach, das ein blühender Garten war, spähte man _$u Tal. Die Stadt Jerusalem schien mit einem Schlage verändert. Die weißen Lehmhütten waren verschwunden in einem Meer von Grün. Die Straßen wimmelten von Menschen, die Palmzweige schwangen und sangen. Ein Haufe von Tausenden, Reitern und Fußgängern, wälzte sich den Zion hinauf. Ein Wald von Speeren bildete Spitze -und Schluß des Zuges. -Die Höflinge auf der Zinne des Schlosses tauschten erregte Bemerkungen. Aus einmal war Benaja, der Führer der Leibwachen, unter ihnen: »Das ist Ioab", sagte er, „jetzt helf uns Gott!" Die Versammelten sahen sich an und erbleichten; sie wußten, daß Ioab erbarmungslos und Adonia grausam war. Benaja, der in Davids Kriegen verlernt hatte, den Tod zu fürchten, lachte verächtlich und schwieg. Die erzenen Tore der Burg dröhnten von heftigen Schlägen. -Laut tönte von unten die Stimme Ioabs, der Einlaß forderte. Benaja suchte zu verhandeln. „Deffnet, oder es gibt Mord!" rief der Feldhauptmann zurück. „Schänrst Du Dich nicht, Ioab, den Frieden Deines sterbenden Herrn zu stören?" »Was Frieden? l Ich stürme die Mauern, wenn Du nicht anftnachstl" Kreischend flogen die Flügel des Tores auseinander. Ioab stampfte die langen Gänge hinunter zum Vorzimmer des Königs. Sein Anhang füllte die Räume des Schlosses mit wüstem Geschrei. Ioab blickte sich um: „Wo ist Nathan, der Verräter?" Der Prophet trat ihm entgegen: „Du schlägst schnell, Ioab, aber ich hatte von Dir