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Blau-Weiss-Blätter · 1916-10-01 · 3 (10.1916) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
4 (1916-1917)
Issue
3 (10.1916)
Date
1916-10-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Tauberbischhofsheim nnb Mergentheim die Tauber flußaufwärts begleiteten. Am Morgen hatten wir noch Dürzburgs Wahrzeichen, das schloß, an dessen Fuße cm edler Wein wächst, von ferne leuchten sehen, am Abend durchzogen wir das lieblichste aller Täler, das die Natur mit verschwenderischem Reichtum ausgestattet hat. Wohlhabende Dörfer, überragt von den Luppeln ihrer Lirchen, die im Frankenlande fast alle im Barockstile gebaut sind, zogen in schneller Aufeinanderfolge an uns vorder; denn wir hatten es eilig, um noch vor Beginn der Dunkelheit ins Quartier zu kommen. Drei Ailometer von Mergentheim in einem kleinen Dörfchen, dessen Name wohl jedem von uns unvergeßlich sein wird, machten wir halt. Luchend durchschritten wir die Dorfstraße; — nirgends konnten die Scheuern den Legen des Sommers fassen, geschweige denn noch sieben Leute, die unvermutet kamen. Die Schatten der Häuser wurden länger und länger, und wir suchten immer noch. In einem Hofe fragte man uns nach der Bedeutung der Blau-Weiß-Nadeln. ^Jüdischer Wanderbund Blau-Weiß" antworteten wir. „Ja, seid ihr denn alle Juden?" „Natürlich!" „Auch der Große da?" „Auch der." „Wißt Ihr denn auch, was morgen für ein Tag ist?" „Tischo b' aw." Ivie sollten wir es nicht wissen? Und nun stellte es sich heraus, daß nicht nur jene Leute Juden waren, sondern daß in Gdelsingen eine ganze jüdische Gemeinde bestand, fünf» undzwanzig Familien, die eine eigene Srnagoge hatten. Unsere Freude war groß, den nächsten Tag im Areise der Unseren verleben zu dürfen, und wir beeilten uns, die Vorbereitungen, die nötig waren, zu treffen. So gut es ging, machten wir uns zurecht, und mit allerdings geborgten hüten gingen wir geschlossen in die Synagoge. Wir wurden immer noch mit Verwunderung betrachtet; denn es war entschieden etwas Neues für die Leute, daß jüdische Jungen wie Wandervogel wunderten und trotzdem ihr Judentum betonten und seine Brauche Hielten. Aber beim Gottesdienst umschloß uns bald das Band der gemeinsamen Trauer um den Fall des Tempels in Jerusalem. Das war das Gefühl, das uns beherrschte und uns den Tag weihte. Und noch eine Beobachtung war für uns wertvoll und erfüllte uns mit Stolz. Die Männer, zwischen denen wir faßen, waren nicht wie jene vergrämten, nervösen Gherrowesen der Großstadt, sondern aufrecht und breitschultrig, und der Schweißgeruch körperlicher Arbeit, der engen Berührung rnrt dem Boden, ging von ihnen aus. Sie waren Bauern. Und wir, die wir mm schon fast drei Wochen gewandert waren, und die wir bemüht sind, uns frei zu machen von dem, was von der LcidEgrschchre des Mdachen Volkes uns feinen

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