Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 4 (1916-1917)
- Issue
- 3 (10.1916)
- Date
- 1916-10-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2425321-3181705-3181709--0623-3182408- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
besten gelebt zu haben, trotz Krieg und Markensystem smit dessen Feinheiten bekanntlich manche Führer sehr vertraut find). Jedenfalls war es eine prächtige Fahrt voll ungetrübter Harmonie, und der Hauptzweck wurde erreicht: Blau-Weiße aller beteiligten Bünde einten fich in mehrtägigem vertrautem Zusammensein in Freundschaft. So langten wir nach 6 Tagen in Hemsbach an. Hemsbach hat eine alte, angesehene jüdische Gemeinde, die fich des jungen Lebens im Blau-Weiß freut und ihm gerne Tür und Tor öffnet. Was nicht im Landheim Platz fand, wurde von Juden in geräumigen Scheuern ausgenommen und beherbergt. Alte jüdische Gastfreundschaft, für diewir den hemsbachern ebenso sehr danken wie den Mannheimern, welche die Unterkunstsfrage so fein gelöst haben. Am Freitag Abend vereinigte uns der Gottesdienst im schönen hemsbacher Tempel. Dann duldete es uns nicht länger zwischen den Häusern. Wir lagerten auf den Terraffen des nahen Steinbrnchs- Der Abend war still und feierlich, der Sabbath verbot das Spiel der Klampfen. Dann setzten Lieder ein in der Sprache unseres Volkes^ jeder scheute laute Fröhlichkeit. Sternschnuppen zuckten durch die Nacht, dann ging der Vollmond über dem Kreuzberg auf, groß undklar, überraschend und geheimnisvoll. Unwillkürlich lagerte alles enger im Kreise. Die Lieder verstummten. Hans Feibelmann fand einige starke Worte und löste den Bann. Wir stiegen zum Ta! hinabvoll Weihe und Freude. Nach und nach hatten fich noch viele Blau-Weiße in Hemsbach eingefunden, Züge und Gruppen aus München, Berlin und natürli<ch vor allem aus Mannheim. Mit Frankfurt und Wiesbaden waren, es volle hundert; dazu an fünfzig Mannheimer. Am Samstag Nachmittag fand die Begrüßungsfeier statt. Feibelmann las aus der Bibel vor, dann hielt Gidion eine Ansprache- Gr sprach von der seltsam erhebenden Stimmung, die uns bei solchen Tagungen und Zusammenkünften immer umfängt. „Unser Wandern ist nicht das unstete, rastlose Irren des Ahasver, es ist das Gegenteil davon, der Anfang vom Ende des Ahasvergeschickes, der Beginn dergroßen Rast unseres Volke». Und wenn wir auf unseren Wanderungen oder sonst in der Arbeit für die Erneuerung unseres Volkes Zusammenkommen, nur uns unseres Werkes zu freuen, f» find diese Pausen in der Alltagsarbeit einem Sabbath vergleichbar und die Stimmung, dis uns erfüllt, einer Sabbathstimmung, und der Einklang, nnserer Seelen, das Ausjauchzen unseres Herzens zeigt uns mehr