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Blau-Weiss-Blätter · 1916-08-01 · 2 (8.1916) · page 29

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
4 (1916-1917)
Issue
2 (8.1916)
Date
1916-08-01
Page
– (sequence 29)
Language
German
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die Menschen, wie die Wandrer, die nur die Einöde suchen. Wo gibt es in Deutschland heute überhaupt eine Landschaft, die nicht Spuren der Anltur, d. h. menschlichen Anbau's zeigt? Seht euch getrost das Treiben in den Dörfern genauer an. von „Sitten und Gebräuchen" werdet ihr ja weniger sehen, ihr müßtet grade etwa einen Hochzeitstag oder gar einen Tanzbären treffen. Aber beachtet in verschiedenen Landschaften die Eigenheiten des Hausbaues: Schwarzwälderhaus und polnische Lehmhütte. Nicht alles sind langgestreckte Fadendörfer, wie unser gutes Drewitz, bei den Wenden gibt es kreisförmige Rund» linge, im Hochland Dörfer mit ganz zerstreuten Siedlungen. Alles, was das Volk gestaltet, Hauszierrat innen und außen, Wirtshaus» schilder, Trachten, alles wird euch die Mannigfaltigkeit der deutschen Landschaften und Stämme vor Augen führen, habt ihr die Verschiedenheit im Airchenbau schon beachtet? Das niederdeutsche holzkirchlein, zuweilen mit einzeln stehendem Turm, das im Sächsischen so oft wiederkehrende Vorbild des Magdeburger Doms. Vst läßt schon der Baustoff auf die Landschaft schließen. In den Bauten Heidelbergs findet ihr den roten Basalt des Ddenwaldes wieder. In der rauchgeschwärzten Frauenkirche und anderen Dresdener Bauwerke» den Sandstein der Pirnaer Steinbrüche. Aus den schwer zu bearbeitenden .Findlingsblöcken von Granit wurden die breiten, wuchtigen Tore unserer märkischen Städte aufgeführt. — Da habe ich euch nur wenige Einzelheiten vom Reichtum der Landschaft gezeigt. Auf all dieses richtet mehr als bisher euer Augen» merk. Aber raubt euch und andern nicht durch solche „Studien" Len Genuß von Augenblicken, wo es die Schönheit einer Gegend voll aufzunehmen gilt, so wie Heines Reisegefährte, der auf der Harzwanderung entdeckte, daß das Blättergrün eigens zur Schonung des menschlichen Auges geschaffen sei. Das Wissen des Wandrers von der Landschaft wird nicht wie toter Gedächtniskram aus Büchern erworben. Das muß Selbsterlebtes, Selbstgeschautes, und darum um so reicheres geistiges Besitztum werden. Darum hat er mich auch nicht gewundert, daß man von euch Jungen» bisher weniger Fahrtenberichte, las. Auch ihr seid begabt «mit gemütvoller Naturbetrachtung; aber welchem Jungen widerstrebt es anfangs nicht, darüber zu schreiben? Gewöhnt euch Liese Der» schlossenheit, die über innerste» Erleben schweigt, nicht erst ab. Es -gibt soviel anderes von Fahrten zu erzählen, wenn man nur die Natur liebevoll betrachtet, wenn man nur sehen gelernt hat. . Z.At. im Heere , herbert Engel»Berlin

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