Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 4 (1916-1917)
- Issue
- 2 (8.1916)
- Date
- 1916-08-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Wandrer und Landschaft Jetzt, auf mehrtägiger Fahrt, oder auch in der Sommerfrische^ werdet ihr erkennen, welch großer Unterschied es ist, ob man nur alle Sonntage hinauskommt oder täglich im Freien lebt. Ihr werdet das Glück empfinden, mit der Natur auf Du und Du zu leben, mit all Ihren mannigfachen kebensäußerungen ganz vertraut zu werden. Wie war es, als der Frühling kam? Habt ihr ihn wirklich heranreifen sehn, saht ihr wie bald gegen Winters Ende der Last in die Zweige schoß, und sich die schwarzen Baumschatten, meist die Weiden, mit zartem, goldgrünem Schleier, umwoben? Und habt ihr beobachtet,, wie allmählich die Zugvögel: „Amsel, Drossel, Fink und Star" zurück* kehrten, der Storch wieder sein Nest bezog? (Oder war es nicht viel», mehr so, daß ihr eines Sonntags den Frühling mit einem Mal in voller Blüte vorfandet? kernt jetzt in den Ferien für die übrige Zeit! kernt die Einzelheiten der Landschaft, ihre täglichen Veränderungen liebevoll beobachten, lernt sehen! Das Wandern ist nicht nur fürs Gemüt. Es kommt nicht allein darauf an, sich ein feines Empfinden für die Schönheit, die Stimmungen der Landschaft zu bilden. Der Wandrer soll ebenso seine Sinne bilden. Grade dort, wo das Gemüt vielleicht etwas zu kurz kommt, auf den Feldern, wo ihr gern mit Gesang recht flott vorüberschreitet, da gibt es am nieisten zu sehen. Ich glaube, es ist manchem entgangen, daß die erste Heuernte lange herein ist, und die zweite schon hoch steht. Saht ihr, wie aus den zarten grünen Spitzen, die wie „Gras" aus der Erde hervorlugten, schwere Roggenähren geworden sind? Wie dort, wo jetzt die Aartoffeln blüh», der Bauer die Furchen gepflügt ■ hat? Habt ihr ein Urtell über den Stand der Ernte? Aönnt ihr mit Bauern etwas sachlich über ihren Beruf reden? Gder halten sie euch, trotz Rucksack und Alampfe, für „dumme Stadtleut'?" Auch im Wald, Gebirge, am Wasser seht euch fleißig um. Die Aelteren mögen in den Bergen den gestaltenden Aräften nachfinnen, die unsere Erdoberfläche so - verschiedenartig gebildet haben, die Eigenart des malerischen Gebirges im Harz betrachten, in der Sächsischen Schweiz den abbaüenden Einfluß des Elbwaffers erkennen. Lehen,, wie auf verwittertem Fels Moos und niedere Pflanzen den Humusboden für spätere Felder vorbereiten. Belauscht - das keben > im Walde, -wie der Förster sein Revierhegt, der Fischer Netze und Reusen legt. Aurz, meidet nicht immer