Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 4 (1916-1917)
- Issue
- 2 (8.1916)
- Date
- 1916-08-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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gleichmütig: Djennin. Ihn packt der Aerger, es hagelt auf mich nieder, aber was hilfts, ich kann doch auf dem Pferde keine arabischen Sprachstudien Machen, ich , sehe ihn also ernst und bedeutsam an: Djennin. <Lr scheint das humoristisch« der Situation zu erfassen. Sein Zorn besänftigt sich, und in einer neuen Ansprache spielt Las WortBakschisch «ine Rolle. Aber das soll ihm vorläufig nicht helfen, ich schüttele den Kopf und sage: Djennin. Da fängt er an zu lachen und ergibt sich drein. Widerspruch setzt er mir nur noch entgegen, als ich dem Baedecker folgend von der breiten Straße nach Djennin abbiege und einen steinigen Weg, der nach Sebastije führen soll, ein» schlage. Er zeigt protestierend auf seinen Esel und seine zerrissenen Pantoffel, aber schließlich folgt er uns doch. . Gegen Mittag liegt die höhe von Sebastije vor uns. Aber wiesollen wir hier die Ruinen von Samaria und die Stelle der Ausgrabungen finden! Wir fragen ein paar Jungen auf arabisch nach der „alten Stadt", aber sie verstehen wohl garnicht, was wir meinen. Ich nehme einen alphabetischen Sprachführer vor, um zu sehen, wie „Altertümer" auf arabisch heißt. Aber das Wort steht nicht da. Ich suche unter „Ausgrabungen", gleichfalls vergeblich. Nach angestrengtem Nach» denken schlage ich unter „Säulen" nach, richtig, da haben wir's. Und di« Bengels wissen auch gleich Bescheid und zeigen uns die Richtung. Nutzanwendung: kernt, bevor ihr Palästina besucht, nicht nur hebräisch, sondern auch arabisch! Denn gerade im Innern des Landes, auf der höhe des Gebirges Gfraini, sind keine jüdischen Siedelungen. Bald mündet der Weg in eine Säulenstraße. Säule an Säule steht noch aufrecht, aber die Kapitäle sind verschwunden, herunterge» stürzt, vielleicht längst irgendwo in ein Haus verbaut, oder zu Kalk gebrannt, ein Bild verklungener Herrlichkeit, der Trauer um verlorene Schöne. Gegen hundert Säulen zählte ich ringsumher. Wo die Straße endet, öffnen sich die Propyläen eines weiträumigen Tempels,, von den Amerikanern ausgegraben. Die Riesentürme an den beiden Seiten der ehemaligen Freitreppe sind noch wohl erhalten, sonst ist alles zerstört, ganz wie in der Nähe die Reste einer großen Arena oder eines Hippodroms. Man ahnt, in welchen Maßen dieser herodes fühlte, «in gelehriger Zögling hellenisch-römischer Kultur. Der letzte Schein einer Art Größe, der noch auf die Geschichte des jüdischen Staates fällt, schon im Banne des Römertumes, das den Staat bald gänzlich vernichten sollte! Bewundernd und wehmütig scheide,.ich. In wenigen Tagen, und. im kleinstem Umkreis hatte ich ein Stück jüdischer Geschichte durch»