Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 4 (1916-1917)
- Issue
- 2 (8.1916)
- Date
- 1916-08-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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vor Beginn der Sabbaths mit den Vorbereitungen fertig zu werden. Sie liefen noch emsig um ein funkensprühendes Feuer herum, und uns Nachzüglern trug der Wind verlockende Düfte entgegen. Stolz, mit leuchtenden Augen führten sie uns an die Tafel, welche unter einem herrlichen Gbstbaum bereitet war. Da standen wir und waren vor Ueberraschung keines Wortes mächtig. Weit neigte der Baum seine dunklen Zweige wie ein schützendes Dach, über den mit schneeweiße,n Linnen bedeckten Tisch. In der Mitte prangte eine groß« Weinflasche, daneben ein blitzblankgescheuerter Aluminiumbecher. Davor, unter einer feinen Serviette, schaute ein glänzend hellbraunes Sabbäthbrot hervor, und links und rechts in Flaschenhälsen steckten Kerzen« Zwischen Blumen und Gräsern leuchteten Erdbeeren und Kirschen, duftete köstliches Brot und ein leckerer Kuchen. Nicht wie gewohnt jubelten wir laut auf, ob solcher materieller Genüsse, ein« feierliche Stille breitete sich über uns aus. Eine eigene Stimmung schwebte über dem Ganzen. — Freitagabend — — Mancher von uns fühlte wohl zum ersten Mal so recht die Fülle von Poesie, den Reichtum an Schönheit, die dieses Wort in sich schließt. ' Wir setzten »ns ohne Lärm um den Tisch. Die Lichte wurden entzündet. Der Wind blies sie hin und her; die Flammen zuckten und zitterten und wären fast erloschen, hätten wir nicht schützend die Hände davor gehalten. Aber dann leuchteten sie umso Heller und siegreich strahlten sie über die Festtafel, sprangen und hüpften über den funkelnden Wein, spielten in den tänzelnden Blättern des Baumes und huschten über glühende, ernste und erwartungsvolle Gesichter. Einer unserer Iungens hob den Becher und sprach das Kidduschgebet. Jeder bekam ein Stück Brot mit Salz und dann sollte das Festmahl beginnen. Doch was ist denn das? Keiner greift zu, nicht einer fällt wie sonst heißhungrig über das lecker bereitete Mahl her?—-- Da — — eine schüchterne Frage: „Darf ich m«r ein Stückchen nehmen?" So etwas war noch nie bet uns vorgekommen. Erst nach Aufforderung unserer Köche tüchtig zuzugreifen, wurden die Brotberge kleiner und verschwanden schließlich. Unwillkürlich bemühte sich jeder, leise zu sein, die Stimmen klangen gedäüipft. ■ - s > Langsam sank di« Nacht hernieder^ der Wind fegte zerrissene Wolken am Himmel vor sich her, jeden Augenblick drohte es zu regnen. Aber unser aller Wunsch wurde erhört, kein Tröpfchen fiel. ü: : Lta6 und jubelnd drang unser „Willkommen" dem Sabbath 95