Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 4 (1916-1917)
- Issue
- 2 (8.1916)
- Date
- 1916-08-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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entgegen. „Lecho daudi, likras kalloh/4 Viele hebräische undHüdische- Lieder und Freitagabendweisen klangen in' die Nacht hinaus und leise wie im Traum, zwitscherte ein vöglein über uns in den Zweigen.—- „Schir hamalaus" sangen wir- und die Lichtchen flammten noch einmal wie Fackeln, ehe sie niedergebrannt waren. Zn uns aber blieb ein Heller Schein und die Hoffnung, daß doch' wir alle, alle wieder lernen möchten, die Größe und Innigkeit eines- Freitagabends ganz zu erkennen. Hamburg Feliee Hagenowvom Blau-rveitztag Gestern abend um 9 Uhr bin ich von der wunderbaren Fahrt nach Lockwitz zurückgekommen und will ste nun gleich beschreiben. Unsere Gruppe sollte Sonntag früh schon um l/t* auf dem Anhalter Bahn«" Hof sein. Das war mir zu zeitig— ich hätte auch keine Verbindung gehabt — so schloß ich mich denn der 3. Gruppe an, die schon am Freitag mittag abfuhr. Die Fahrt war sehr gemütlich, zumal wir <k. Klaffe bezahlt hatten und 3. Klaffe ein» steigen durften. Um l/, 6 Uhr ungefähr kamen wir an. Am Abend hatten wir nicht weiter viel unternommen, sondern nur unser feines (yuartier bewundert und* es uns dort gemütlich gemacht, wir Mädels hatten die großen Hellen Fabrikräume, die Jungens bewohnten ein Haus mit kleineren Zimmern. In der Nacht unternahmen Annie Rosenblüth, Lotte Strelitz und noch ein anderes Mädel und ich eineherrliche Nachtwanderung. Das war nun etwas ganz neues für mich — etwas,, was mich tief ergriffen hat. Ich weiß nicht, ob eine Nachtfahrt in unserer Ge» gend auch so schön ist: ich weiß nur, daß gerade die dunklen Umriffe der Bergen ihre oft ziemlich steilen Abhänge, die in der Dunkelheit besonders scharf hervor-- traten, einen schaurig schönen Eindruck auf mich gemacht Haben. Still stieg unsere kleine Schar hinauf — es wäre uns jetzt nicht möglich gewesen, über gleichgültige Dinge zu reden' Alles um uns her war in tiefes schweigen gehüllt, alles finster- und starr; nur der Himmel hob sich etwas Heller ab. Auf den Steinen spielten. Lichtreflexe, die seltsam aus der übrigen Finsterkeit abstachen. Um {2 Uhr ungefähr waren wir wieder zu Hause. Sonnabend regnete es fast den ganzen Tag. wir hatten ein paar mal Appell, das heißt eine kleine Feier. Da wir des schlechten» Wetters wegen nicht viel draußen sein konnten, kamen die Jungens zu uns 'rüber» und in den großen Räumen der Fabrik haben wir die schönsten Spiele gespielt. Am Sonntag kamen die anderen alle. Der Blau-weißtag begannt Es war dochein herrlich erhebendes Gefühl,' wenn all die vielen Blau-Weißen aus den verschiedensten Städten im Kreise vereint zusammen fitzen, alle dasselbe Lied zusammen» fingen,, alle von einem großen schönen Gedanken erfüllt find. In solchen Stundew wächst das Zusammengehörigkeitsgefühl, die Gedanken an Kleines, Unwichtiges» wovon wir früher vielleicht ganz erfüllt waren, verlassen uns; in solcher Stunde mag sich wohl .ein jeder pon uns gelobt.haben, dem Judentums und dem Bla»-' weiß immer dieTreue zu chatten. ' ‘ * < ' Ulontag war der > einzige Tag, an dem wir eine'größere Wanderung untere nahmen.i: Es ging-für einen .Tag.in die Lächfische Schweiz^ Die Gegend dort ist - W