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Blau-Weiss-Blätter · 1916-06-01 · 1 (6.1916) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
4 (1916-1917)
Issue
1 (6.1916)
Date
1916-06-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Nun heißts „Gute Nacht!" Endlos lange aber dauerts, bis das Geluschel und Gekicher in den Belten ein Ende nimmt. Dann schlafen alle. Lin paar mal höre ich, wie Fridl allen verspricht, um u alle zu wecken, dann fallen auch mir die Augen zu. Richtig bin ich \\ Uhr wach, und Fridl und ich wecken die Mädels. Im Finstern stehen wir bei den Fenstern und blicken auf die Uhr uns gegenüber auf dem Sparkaffengebäude. Um \\ Uhr dreht sich der Zeiger vor, und der historische Moment ist da: es ist Sommerzeit, und es schlägt 12 Uhr! Lin Feuerwerk, Fanfare! Und befriedigt steigt alles wieder in die Beiten! Frühmorgens ist alles munter. Erst heute ist es so, daß man nicht sagen kann, wie schön die Welt uns scheint. Denn taufrisch liegt vor uns das herrlichste Fleckchen Erdedas zu schildern selbst ein Dichter nicht vermöchte, und das zu malen kein Künstler imstande wäre. Heute wird uns jede Blume am Wege zu einer Lxtrafreude. Und was wir alles erleben! Da treffen wir Soldaten, die mit uns sprechen, uns zuwinken, Offiziere grüßen uns freundlichda begegnen wir sogar dem Lehrer von ein paar unserer Mädels, der uns ob unserer „Verkleidung" anhält, da er seine einstigen Schülerinnen erkennt und von ihnen in seiner Uniform nicht erkannt wird. Das ist ein Erlebnis! Und alles wird so wichtig, jede Kleinigkeit wird Ereignis. Der Bauer, der uns „Guten Morgen" wünscht und die hübschen Dorfmädeln und die Kinder alle, die uns mit offenen Mäulchen bestaunen! Rast halten wir am Wege von Leitmeritz über Kamaik, dann gehen wir den einzig schönen Ludwig Richter-Weg hinab nach Sebusein, wo uns die Fähre ans andere Elbufer übersetzt. Nun wandern wir fingend und froh langsam gen Aussig, das Endziel der Fahrt. Mittags rasten wir bei heißer Sonne am Elbufer unter schattensxendenden Sträuchern, dann flugs Schuhe und Strümpfe von den Füßen und barfuß in der wiese herumgetollt! Zwei von uns (ich natürlich bin dabei!) patschen auch ein wenig im kühlen Elbwaffer, die andern tanzen Giiu hamakkabim auf der Straße; halt da muß Ich dabei sein! So treiben wirs munter bis zum Aufbruch. Noch viel sehen und hören wir; da manöverieren Pioniere im Fluß, lernen Brücken bauen und rudern. Nun kommt der Schreckenstein in Sicht; Aussig ist erreicht; die Bahn fährt uns als braungebrannte frohe Menschen heim! Teplitz-Lchönau Rosel Graf Unsere Lrühlingsfnhrt Grauer Himmel und tüchtiger wind! Das war der Anfang unserer zweitägigen Frühlingsfahrt; aber wir fieben ließen den Mut nicht sinken, sondern fuhren fröhlich in den wenig einladenden Aprilmorgen hinein, wir wußten, daß wir draußen den Frühling finden würden. — „Alt-Rahlstedt!" Nun ging das Marschieren los! Mit Sang und Klang, (leider nicht von Klampfen) wandern wir auf Feldwegen an ungepflügten, tiefbraunen Aeckern vorbei. Dann treibt uns der Wind auf der Landstraße vorwärts, links und rechts frühlingsgrüne wiesen, hier und dort Decken und Lträucher, deren aufgebrochene Knospen in ihrem zarten, feinen, grünlichen Kleid ein Licht verbreiten, ein Frühlingsleuchten. Nun hält es die Sonne nicht mehr aus. Schnell verjagt sie die grauen Wolken und bescheint die weiden, deren aufgeblühte Staubkätzchen von den Strahlen vergoldet werden. Die bunten Buchfinken fliegen umherum Nahrung für die Jungen zu holen. Ueberall Farbenpracht! wir sind, ins Weideland gekommen. Jungfer Heide putzt ' fich gern und schaut sich dabet in den Spiegeln Einer ttegt vor uns, blank und plät-

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