Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 4 (1916-1917)
- Issue
- 1 (6.1916)
- Date
- 1916-06-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Slbtalfahrt im Mai was ist diesen Mädels für ein Glück widerfahren? Rotbraun glänzen die Gesichter, die Augen prahlen, die Mädels sehen aus, als hätten sie die Sonne ganz und gar in sich und könnten sich nicht verbergen; von der Zweitagsfahrt ms Elbtal kommt sie, die glückstrahlende Gesellschaft, bei deren Anblick jedem das Herz aufgeht. Mit welcher Ungeduld haben wir dieser Fahrt geharrt, der ersten Zweitagsfahrt unserer Mädel! Und als wir nun am Sonntagmorgen aus Teplitz zogen, da wäre schon ein minder herrlicher Tag uns schön vorgekommen. Aher es war ein frischleuchtender Frühlingsmorgen, am Abend zuvor hatte ein Gewitter den weg für uns bereitet, glänzend gewaschen blinkte und blitzte die wett. Durch die Dörfer zogen wir froh, bis uns nach kurzer Rast der weg über Radzem aufs Dubitzer Kirchlein führte. Da lag sie vor uns, die Elbe, Leuchtend blau und gläsern. Rings die Bergwelt und die bewaldeten höhen, die Dörfer und Flecken leuchteten mit ihr um die wette in frühlingsfrohen Farben. Lange blickten wir auf diese Pracht. Dann hielten wir noch mit den „Eintagsfliegen" (so nannten wir die Lintagswanderer, die mit uns bis hierher gegangen waren) Mittagsrast in der Sonne; nach dem Abschied von ihnen begann erst unsere eigentliche Fahrt ins Märchenland. Denn das ist sie denen, die sie mitmachten, wohl gewesen; so unwahrscheinlich schön war siel hinunter also von Dudlitz ans Elbufer! wir fassen uns an den Händen, denn der weg windet sich bergab durch Gestrüpp und Wald. Nun sind wir. eine Schlange, himmelblau mit dunkelblauer Unterseite, in unfern blauen Blusen und Röcken. Das macht Spaß! Nach kurzem Marsch auf der Straße kommt Praskowitz in Sicht, und wir erwarten am Ufer den Dampfer, der uns ans heutige Reiseziel, nach Leitmeritz, bringen soll. Die Dampferfahrt macht viel Freude, da gibts zu gucken und zu ftagen, und keinen Augenblick sind die Augen und die Sprechwerkzeuge müßig. Das Wasser spritzt und gischtet unter der Schiffsschraube. Dann spiegeln sich wieder ganze Wiesen und Felsen und Bäume im klaren Wasser. Und dort steht eine schlanke Pappel, ganz allein. Mädels, wie schön ist die Welt! Die Sonne lacht den ganzen lieben Tag, als war es nicht mehr April, und die Wolken ziehn so leicht hoch oben in der blauen Luft. Nun sind wir in Leitmeritz. Die Soldaten rufen uns zu : Ihr geht wohk zur Assentierung? wir sind ganz stolz; stramm marschieren wir in die Stadt, zum „Hotel". Denn in einem solchen wohnen wir. weil es so einen feinen Saal dort gibt, mit n Betten für übermütige Mädels! Die Rucksäcke herunter, waschen und auffrischen ist eins, dann besehen wir uns die Stadt, das eingestürzte Rathaus ist auch eine Sehenswürdigkeit. Ueber die Brücke gehen wir auch,, gegen Theresienstadt, wo die Elbufer mit herrlichen Pappeln bestanden sind. Und der Flieder blüht hier schon, der bei uns erst schüchtern die Köpfe reckt. Unsere Abendrast im Hotelzimmer ist recht traulich, wir fitzen alle um den Tisch herum und werden von unserm hausmütterchen, unserer lieben Fridl, mit guten Bissen bedacht, wie sie uns versorgt! Unser Wanderbruder Fritz Eisner, der unseren „männlichen Schutz" bildet, stößt mich anr wie kommt dir dies Bild hier vor? Und wir denken beide an werther's Lotte.