Mannheim
Compact Memory

Blau-Weiss-Blätter · 1916-06-01 · 1 (6.1916) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
4 (1916-1917)
Issue
1 (6.1916)
Date
1916-06-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2425321-3181705-3181707--0573-3182356
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ihr« bleiche Farbe rauben, um sie rosa zu färben. — Ich schließe eine Sekunde die Augen, um all diese zarte Schönheit in mich auf» zunehmen. Aber da drängt es ja schon wieder weiter! — Nit auf» rechtem Hang stolzieren die roten und gelben Tulpen vorüber, da auch ein paar rosafarbene, und wie sie die hübschgeformten Aöpf» der Sonne zuwenden, als ob sie wüßten, wie schön sie find, wenn die vollen Sonnenstrahlen ihre Farben unterstreichen. Nun kommen die Hofbannerträger und Zeremonienmeifter. Tief senken die Birken mit weißseidenen Schärpen geschmückt ihre Fahnen über all das Frühlings» volk. Ihre zierlichen grünen Gehänge, die Blütenkätzchen, wehen hin und her und «lachen auf die zarten Blättchen aufmerksam, die noch in dämmernden Lrstlingstagen sind. Ihnen folgen die Kastanien. In ihren hellgrünen Blatthänden tragen sie vornehm steif die noch grünen und kleinen Blütenkerzen. O, wie herrlich, der Zug ist noch lange nicht am Ende, aber ich will nicht mehr verraten, obgleich ich schon von rosigen Apfelblütenzweigen gestreift werde und schon die sich andrängenden, zartweißen Rirschbaumblüten heranschweben sehe. — Ihr alle müßt teilhaben an diesem entzückenden Aufmarsch, der sich freilich nur vor Augen, die sehen wollen, vollzieht. Ja, Freund Winter, du mußtest weichen vor diesem sieghaften Junker Frühling, dessen Pfeile, die Sonnenstrahlen, dich zwar nur schreckten, aber dessen Kundschafter, die Vögel, dich mit ihren schönsten Tönen und Trillern «ivsingen; und seine Geschosse, die hervorbrechenüen Knospen und Blüten, zwangen dich endlich, seine Uebermacht anzuer» kennen. Aber tröste dich: nicht nur du bist der besiegte, auch ans uns Menschlein erstreckt sich sein starker Siegerwille, und wir alle find seiner wunderbaren Nacht erlegen l Hamburg Frieda Roseno w

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.