Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 4 (1916-1917)
- Issue
- 1 (6.1916)
- Date
- 1916-06-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Frühlings Einzug Ich habe den Einzug des Frühlings gesehen, ihn selbst, den Junker Frühling, zwar nicht mehr, er war schon um «ine Eck« enteilt, und ich konnte nur noch mit den Blicken sein durch die linden Lüfte flatterndes blaues Band erhaschen, aber sein herrliches Gefolge habe ich ganz genau gesehen. —- Da kommen sie angetrippelt, die kleinen lieblichen Anemonen, mit rosa angehauchten Bäckchen vor Freude darüber, daß sie die Fußspuren des reizenden Jünglings küssen dürfen. Anmutig entfalten sie ihre grünen zierlich gespreizten Blätter, eine folgt dicht der andern,damit der Beigen geschlossen bleibt. Nun ziehen die Primeln vorüber, und wie hübsch sie sich gemacht haben! Sie neigen die roten, gelben, lila und blauen Aöpfe, denn Bescheidenheit kleidet immer gut, und wie zahlreich ihr lieblicher Herrscher sie hervorgelockt hat! Aber wer möchte auch ihm nicht gern folgen, denken die weißen und gelben Narzissen, „er hat uns ja verzaubert, wir mußten kommen, er hat uns doch alle in seinen Bann geschlagen. Er neigte sich zu uns hernieder, und als wir ihm ins sonnige Antlitz schauten, mußten wir uns erheben und ihm nachlaufen, denn er war schon wieder weiter geeilt." „Und da hat er uns wach geküßt", lispeln die lieben, kleinen, wilden Stiefmütterchen und reibe» sich den Schlaf aus den verträumten Aeuglein: „Wir haben noch schnell die neuen gelben und blauen Aapotthütchen aufgesetzt und wollen ihn noch einmal anschanen, aber er scheint zu schweben, und wir können doch nicht so schnell laufen mit unseren kleinen Füßen." „Aber uns muß er doch bemerken", flüstern die Hyazinthen und läuten mit ihren Blütenglöckchen so klingend und heftig, daß sie wirklich einen herausfordernden, berauschenden Duft weit vor sich Hertreiben. „Ach er ist jaso verwöhnt, der Sohn des Lichtes", erwidern die Sfräucher mit den gelben Blütensternen: „Sind wir denn nicht wunderhübsch," und sie wirbeln ihre Sternchen, die zitternd ihre anmutige Schönheit zeigen. „Mich hat er doch eigentlich bevorzugt,", ruft der pseudojohannisbeerstrauch und läßt seine rotglühenden Blütentrauben langsam sich an den Stengeln wiegen. „Aber ineine Lieben, warum dieses Buhlen um seine Gunst, was wir sind, find wir doch nur durch ihn", wirft der Schlehdorn ein und nickt bedächtig mit seiner rosaweißen Blütenkrone. „Er hat uns wohl alle gleich gern", sagt der große Magnolienbaum und. wirst die letzten hüllenden Anospenblätter ab; und nun entfalten sich seine wunderbaren, großen Blüten, und die lauen Lüste vereint mit der Frau Sonne werden ihnen bald U