Mannheim
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Blau-Weiss-Blätter · 1916-04-01 · 6 (4.1916) · page 24

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
3 (1915-1916)
Issue
6 (4.1916)
Date
1916-04-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
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Häuserreihen ziehen schier endlos dahin, Fabrikschlote ragen wie Riesen über die niederen Häuser der Vorstadt empor . ... Die Stadt, wir müssen wieder hinein, wieder eine lange Woche Schule, Beruf, aber auch mit Vorfreude für die nächste Wanderung, vielleicht so schon wie diese Frühlingswanderung im Winter. Wien Jenny Neumann Fahrt Lrrs Heim. Als wir auf dem Bahnhof standen, Annelise, Hanni Lotte und ich, — wir fuhren vor, mit unseren schweren Rucksäcken und Decken und einem Rodelschlitten — und also offenbar am späten Nachmittag bei vollkommener Dunkelheit rausfahren wollten und „einen Ausflug machen" — da hielten uns die „Leute" anscheinend für — na mindestens halb verrückt. Aber das schadet nichts — ich hielt sie für desto verrückter und bemitleidenswerter, daß fie so elegant gekleidet da herumlaufen mußten und jetzt vielleicht in irgend ein schönes Restaurant oderLafe fuhren — und nicht wie wir raus zur Natur. — Und dann war es sehr schön, was und wie schön es war, kann ich doch hier nicht schildern, darum sage ich es lieber garnicht. wer von Euch nicht dabei war, wird es mir so glauben. Wenn Ihr auch mal am späten Abend so um \o oder u eine schöne Wanderung macht, und es liegt Schnee und am klaren Himmel steht ein ganz, ganz schöner Halbmond und tausende und tausende von Sternen und Ihr denkt auch dabei an lauter Schönes, an unser Judentum und unseren Blau-Weiß. Dann sagt Euch, so ungefähr muß es damals gewesen sein, als Tilli mit Trude Levy, Trude Rabinowicz und Ilse Kurz vom Heim aus, spät abends, spazieren gegangen stnd. Dann um \2, feierten wir Tillis Geburtstag. Und trotzdem der Rüchen und die Lichte sehr schön waren, wird doch wohl jeder empfunden haben: Das Schönste ist. daß wir jetzt alle zusammen sind, daß wir Tilli gratulieren und Glück wünschen können, hier in Drewitz in unserem Heim. Ich kann nur sagen, mir war sehr wohl. Ich hatte von dem schönen Abend, der Nacht und dem Morgen genug und hatte Lust, schon mittags nach Haufe zu fahren — und tat es auch. Und jetzt habe ich genug erzählt. Hedad unser Blau-weiß. Berlin Ilse Kurz Selbständige Fahrt Am Vorabend der Fahrt herrschte bei allen Mitgliedern des fünften Zuges große Freude, denn am 2\. sollten wir nach langer Zeit zum ersten Male wieder selbständig wandern, wenn auch — infolge des schon verteilten Fahrtenzettels — der Treffpunkt mit dem des 3. Zuges noch übereinstimmte. Doch war der frühe Jubel nicht angebracht, denn als wir auf den Bahnsteig kamen und mit einem fröhlichen Schalom! unsere Führer Aron nnd Rosolio begrüßen wollten, da war kein Aron und kein Rosolio weit und breit zu finden, und wir mußten uns schon begnügen, wie in alten Tagen, uns Fritze Roref bemerkbar zu machen. wir wanderten alle zusammen durch den Park von Sanssouci und trotz der Schönheit desselben — ich muß es hier zur Schande des fünften Zuges gestehen — fanden alle das wandern „mit den andern zusammen" furchtbar langweilig. (Fritz Roref braucht sich aber nicht etwa getroffen zu fühlen!) Eine Deputation lag denn auch Fritz so lange Ln den Ohren, daß sich dieser endlich erweichen ließ und

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