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Blau-Weiss-Blätter · 1916-04-01 · 6 (4.1916) · page 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
3 (1915-1916)
Issue
6 (4.1916)
Date
1916-04-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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auf der Rodelbahn vorwärts zu bringen. Den Höhepunkt bildete wie immer Silvester mit Gedichten, Geschichten, Geschenken, alkoholfreiem Punsch und einem neuen Gericht — Blau-Weißxansche. Und dann das Schönste: Der Nachtsxaziergang. Doch das läßt sich ja alles nicht so erzählen. Kommt lieber alle das nächste Mal mit, ihr seid heute schon eingeladen. Breslau Martin Nothmann Vorfrühling Ls war Rosch Haschanah l'Jlanoth; grauer, düsterer Dämmerschein umgab uns noch, als wir uns früh morgens versammelten. Nach langer Fahrt kamen wir ins Freie, die Morgennebel waren zerriffen und zwischen grauen Wolken ließen sich blaue Flecken sehen, die uns einen schönen Tag verkündeten. wir wunderten nun von Hainbach auf der Landstraße zwischen Wäldern und grünenden wiesen dahin, und der laue Frühlingswind strich durch die Bäume, trug uns Frühlingsdüfte entgegen von Erde und blühenden Blumen. Gelbe Primeln, Gänseblümchen, und die blauen Sterne des Leberblümchens schauten wie neugierige Kinderaugen in die Welt, ob denn schon wirklich ihre Zeit gekommen sei. Der Himmel hatte sich vollständig aufgeheitert, und die Sonne vollendete die stille Pracht des Tages. In einem Buchenwalde hielten wir dann erste Rast, und wie die sonnige Landschaft «bis weit zu den gebirgigen Ausläufern des Wienerwaldes vor uns lag, dachte ich an den Palästina-Frühling und mit einem Male auch an die Armut der Unseren im eigenen und im fremden Lande. Als ich aber meine Wandrerinnen in Hellem Sonnenschein das „Am jisrael chai" tanzen sah und es immer toller und ungebundener wurde, wichen die trüben Gedanken, wir wunderten weiter; singend gings nach Mauerbach, einem kleinen, netten Dörfchen unweit unseres Zieles. Wie wir nun wild durch den Wald streifen, sehen wir von weiden und dunklen Tannen umgeben einen großen Teich liegen; wir werfen sofort unsere Rucksäcke ab und bleiben, obzwar wir erst gerastet. Drei Mädchen und ich spielten ein romantisches Schauspiel. Als das traurige Drama unter Lachen beendet war, zogen wir weiter, denn die Sonne stand schon über uns und unser Ziel war noch weit, wir kamen an dem Dörfchen Allhang, an wiesen und Hainen vorüber und auch an dem Bergabhang, wo wir vor kurzem bei Schneegestöber gerodelt und unsere einzige, schöne Zugsrodel in Trümmer geschlagen haben, viele einladende Scheunen machten uns das Herz schwer, aber wir mußten weiter, denn als wir aus dem Wald wieder auf die Landstraße kamen, war die Sonne schon untergegangen und es begann langsam zu dämmern; das Abendrot überflutete die Landschaft mit goldrötlichem Licht und verlosch rasch wie ein wunderbarer Zauber. Zwei Stunden wunderten wir dahin in der nunmehr eingetretenen Dunkelheit, ohne weit und breit jemand zu begegnen, ganz ruhig ohne Gesang und ohne zu sprechen. Plötzlich hören wir durch die Stille des Abends das Klingeln der Bahn, Anm. (wir freuen uns. daß die wiener wieder an unseren Blattern Mitarbeiten. D. R.) w

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