Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 3 (1915-1916)
- Issue
- 6 (4.1916)
- Date
- 1916-04-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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sich kaum mehr erwehrte: Träume von Macht und Herrschaft, von Glan; und Größe. Und wieder dachte er seiner Taten und des Ruhmes, der immer und immer wieder dem anderen folgte. Warum immer nur der, der — warum er stets der Zurückgesetzte, der Angepriesene, stets nur der Zweite, selbst unter diesen heimatlosen? Auf dem Wege, der die Felsen hinaufführte, knirschte der Sand unter den Füßen Bewaffneter, durch die Nacht drangen gedämpfte Stimmen; der leuchtende Rauch einer Fackel stieg zwischen den Dornenbüschen empor, die den Pfad einengten. Zoab kauerte sich, den Spieß in der Hand, hinter einen Felsblock und lauschte. Einen Augenblick nur, dann sprang er auf und ging, begleitet von den Männern der Wache den Ankommenden entgegen „Sei mir gegrüßt, David, mein Bruder", sagte er und küßte dem Herrn die Wange. Dann, die Erschöpfung der Zurückkehrenden bemerkend: „Fandest Du Wasser?" David schüttelte stumm das Haupt, im Scheine der Fackeln sah man, daß ihm haut und Gewand von den scharfen Stacheln der Dornsträuche zerrissen waren. „Die Tuelle bei Bethlehem war besetzt von philistäischem Rriegsvolk. Wir baten höflich; aber ste nannten uns judaische Hunde, die man ersäufen würde, sei Saul erst gezüchtigt, und verfolgten uns bis in die Berge — es find ihrer zu viele!" „Die Leute schmachten", sagte Zoab, „längst schon leiden fie Mangel am Nötigsten." David wandte fich ab: „Auch mich dürstet". Einen Augenblick lang schwiegen die Männer. Sie standen in dumpfer Verzweiflung. Sie neideten Saul den ehrlichen Uampf gegen den Feind, an dem sie, die Verstoßenen, nicht teilnehmen durften. Sie sahen den gräßlichen Tod des Verdurstens vor sich oder das schreckliche Ende des Räubers in den Spießen der erbitterten Bauern. Da trat Zoab vor. Ihm war, als rauschte um ihn gewaltiger Flüzelschlag. Das war Gottes Hand, die ihm den Weg wies, der ihn über David hinweg zum Lichte führen sollte. „Ich werde Wasser holen", sagte er, warf den ledernen Schlauch auf die Schulter und schritt, ohne auf die anderen zu achten, den Berg hinab. Als er die Straße nach Bethlehem erreicht hatte, hörte er Männer hinter fich; es war Asahel, sein Bruder, und Naharai, sein Wassenträger, den er liebte, wie sein Leben. In der Ferne glänzten die Wachtfeuer der Philister. Die drei, den Speer in der Faust, schlichen im Schatten der Terebinthen heran, unhörbar, mordlustig und mit allen Sinnen nach denen spähend, die