Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 3 (1915-1916)
- Issue
- 6 (4.1916)
- Date
- 1916-04-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Am rissigen Stamm der siurmzersplitterten Tamariske lehnte Ioab, der wilde Sahn der Zeruja und blickte finster aus seinen Bruder Asahel, der wie ein spielendes Kind den schlanken Schaft eines Pfeiler mit zierlichen Aerben schmückte. „Fluch dem Tag, an dem David uns hieß, diesem Philisterzug gegen Israel zu folgen I" Und als der Angeredete schweigend an seinem Pfeile weiter schnitzte, fügte er grimmig hinzu: „Was beklagen wir uns, daß man uns von Wachen umstellt in diese Gede bannig Soll der Philister uns trauen, da wir dem eigenen Volk die Treue brachen? Besser vom Schwerte Sauls fallen, als nach Wasser japsen wie ein dürstendes Zicklein und aller Welt zum Ekel werden!" Mit einer raschen Bewegung der Wut riß er das Aopftuch seines Burnus von der braunen, narbenzerissenen Stirn; der glutheiße Wind, der aus den Tälern emporstieg, trieb ihm die tiefschwarzen Locken in das kühne Antlitz. Ihm war's ein Gruß, den die Wüste dem Sohne sandte; eine Mahnung zürnender Väter, deren Leiber nach ehrlichem Rampf der sengende Sand deckte. Das hitzige Nomadenblut, das Erbe der Ahnen, fieberte in ihm, seine Schläfen pochten vor Schmerz und Zorn. Ioab war nach David der erste in der Bande, der gesürchtetste Räuber der Berge, den Aaufieuten, deren Aarawanen die engen Pässe durchzogen, verhaßt wie den Wirten der Wolf, der in ihre Hürden bricht. Er kannte nicht Ruh' noch Rast; seinem Speer erlagen ebenso die Arieger der Philister wie die Leute Sauls, die sich vorwitzig mt seine Spuren hefteten. Er liebte seinen Herrn David mit einer wilden und trotzigen Liebe wie einen älteren Bruder und doch neidete er ihm die Erstgeburt. Er dachte an das, was er für ihn aufgegeben, an das Haus und die Felder in der fruchtbaren Ebene — jetzt lag wohl xhilipäisches Ariegsvolk darin —, er dachte daran, wie oft er seinen Leib vor den des Herrn geworfen, wenn die Schlacht am heißesten, wie oft sein Ruf, sein Beispiel wankende Reihen gestärkt und den fast verlorenen Sieg erzwungen hatte, und wie man für all dies stets David pries, der die Zehntausende schlug wie er vor Jahren Goliathgeschlagen hatte. Und David kam nicht. Er war in der Frühe nach Wasser gegangen; denn der Wein in den mürben Schläuchen war vertrocknet und kein Trunk mehr auszutreiben. — Die Sonne begann zu finken, fast unvermittelt wurde es dunkel. Es schien, als ob die Nacht in Ioabs Brust böse Geister befreit hätte, die bisher an die Rette seiner Treue gefesselt waren. Während er den Ring der verdoppelten Posten abging, kamen ihm Gedanken, vor denen er schauderte, und deren er