Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 3 (1915-1916)
- Issue
- 6 (4.1916)
- Date
- 1916-04-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2425321-3181698-3181704--0501-3182323- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
liches Abkochen gewagt werden sollte. Daß dann der Hungertyphus unfehlbar ausbrechen müßte, scheint mir festzustehen. Die Führer, die da draußen stehen, hatten in der Blau-Weiß- Bewegung Lebensziel und Lebensrichtung verankert. Sie wollten in euch jüdische Zukunft errichten. Glaubt ihr nicht, daß gar manchesmal bange Sorgen ob des Fortbestehens auf einsamer Wacht und in Killen Nächten sie bedräuen werden? Ihr seid die Zukunft des Blau-N)eiß, Jungens; ob wir Alten wieder mitschaffen können und wann einmal, das weiß kein Mensch. S eid i h r sta r k und treu g enu g? M ißt ih r etwa s von den Dankespflichten, die ihr gegen die Führer -draußen im Felde habt? Sie wollen nicht, daß ihr diese Pflichten ihnen abtragt; aber ihr sollt und müßt wiffen, daß es keinen Dank gibt, denen draußen zu danken. S. Alojsche Bekanntlich kamen bald nach Kriegsbeginn viele galizifche Juden mach Prag, weil ihre Heimat verwüstet oder zum Kriegsschauplatz «mgewandelt war. Das Elend, die Not dieser Menschen läßt sich überhaupt nicht schildern. Wir alle waren tief ergriffen und suchten zu helfen, ein jeder so gut er konnte. Vor allem mußte für die Ainder gesorgt werden, welche noch »nicht in die Schule gehen konnten, und deshalb den ganzen Tag in -der ungesunden Wohnung waren, oder ohne Aufsicht und ohne Beschäftigung in den Straßen herumliefen. Für sie wurde nun auf Anregung unseres Führers Gtto Engländer ein Kinderhort gegründet. Dort fanden sie gute pstrge und Kost, im Winter warme, freundliche Stuben, im Sommer einen Garten. Wer die Kinder dort sah, glaubte nicht, daß es dieselben verschüchterten, abgefetzten Tröpfchen wären, welche auf der Straße fortwährend dem Spott des Volkes ausgesetzt waren. Ich habe unter ihnen viele Freunde gehabt, an die ich wohl lange, lange denken werde. Besonders von Mojfche möchte ich Euch einmal erzählen. — Mojfche war ganz bestimmt der schönste Junge unter den galizischen Kindern, welche zu uns in den Kindergarten kamen. Das -erstemal, als ihn feine Mutter brachte, waren die blauen Augen weit affen vor Neugier, und es schien ihm zu gefallen. In einer ganz ,3,