Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 3 (1915-1916)
- Issue
- 6 (4.1916)
- Date
- 1916-04-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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warmen Fellmütze saß er da, trank die Milch mit großem Behagen und war von allen Spielsachen entzückt. Als man ihn aber nach einem gründlichen Baden in saubere, neue Kleider und Schuhe steckte, da war er ganz fassungslos. Er hatte noch nie neue Schuhe gehabt und war unglücklich, als die Sohlen staubig wurden und den Glanz verloren. Nach jedem Schritt putzte er fie ab. Da er der Klügste von seinen Kameraden war, genoß er ent großes Ansehen und jedes kleine Mädchen machte sich eine Ehre daraus, wenn fie ihm beim Flechten und Ausnähen helfen durste, denn diese Arbeiten mochte Mojsche nicht leiden, und er war sehr ungeschickt. Dafür lernte er gern und merkte sich alles leicht, ob es nun eine deutsche Erzählung oder ein hebräisches Gedichtchen war und am liebsten erzählte er selbst etwas, und er hatte auch was zu er» zählen. So ein kleiner Knirps, der hatte den Krieg erlebt, in seiner Stadt waren die,Soldaten einquartiert und haben geschossen. Tag und Rächt. Und da bald gar nichts zu essen war in der ganzen Gegend, mußten alle Einwohner auswandern; mitten im strengsten Winter find fie in offenen Waggons gefahren, denn so gut man es mit ihnen meinte, es war so schwer für die Regierung, das nackte Leben der armen Leute zu retten. Mojsche und alle anderen Kinder, die zu uns kamen, hatten in ein paar Wochen mehr mitgemacht, als wir hier wahrend des ganzen Krieges. And dann kam noch etwas. Mojsches Mutter wurde krank, mußte ins Krankenhaus gehen und da kümmerte sich der Vater selbst um den Jungen, und es war ihm garnicht recht, daß Mojsche spielen, lernte bei uns. Spielen kann jedes Kind ohnehin, das braucht es nicht zu lernen. Er soll doch schon hebräisch lesen und schreiben lernen, darum wurde er in den Eheder geschickt. Lange Zeit kam er nicht zu uns, wir hörten nichts von ihm und hatten ihn fast vergessen. Da — eines Tages klopfte es an die Türe, draußen stand ein Mann mit langem, schwarzen Bart undstrengem, finsteren Gesicht. Er schob einen Jungen herein, unfern Mojsche l „Gr gibt keine Ruh', so soll er halt wieder hergehen, ich hab's gewußt, er wird mir noch ein „Datsch" werden." Er wendet sich, ohne Gruß geht er fort. So schwer ist es dem armen Mann geworden, seinem Jungen die Freude zu machen. Gr will es nicht glauben, daß Kinder herumspringen und lustig sein dürfen. Thora lernen, ein anderes Vergnügen