Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 3 (1915-1916)
- Issue
- 4 (12.1915)
- Date
- 1915-12-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2425321-3181698-3181702--0457-3182277- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
vorwärts, während die übrigen als Schlachtenbummler dem Scheingefecht Zusehen. ^Achtung nieder. Deckung suchen." Achtung, Sprung auf, marsch, marsch." „Nieder". So geht es noch eine weile weiter. Dann heißt es: Nachdem die feindliche Stellung durch Artillerievorbereitung sturmreif gemacht ist, erhalten wir jetzt durchs Telephon vom Hauptmann den Befehl zu stürmen. „Achtung, aufi vorwärts! marsch, marsch!" Mit Hurra geht es dem Gehölz zu, das natürlich in unsere siegreichen Hände fällt. Nach kurzer Kritik, einigen Fragen und Antworten ging es mit geröteten Wangen und blitzenden Augen, aus denen die Freude über das willkommene Zwischenspiel strahlte, zurück, und dann eilig die Rucksäcke auf und wieder marschfettig gemacht. Kaum waren wir ein Stückchen weiter gezogen, als wir plötzlich aus einem der angrenzenden Wäldchen \o bis \5 Wandrerinnen hervortreten sahen, in denen wir zu unserer größten Ueberraschung unsere Blau-Weiß-Mädels erkannten. Das war eine gegenseitige Freude! Nach herzlicher ,Schalom"-Begrüßung suchten wir uns einen hübsch gelegenen Lagerplatz aus, auf dem abgekocht und nachher gesungen und vorgelesen wurde. Auf dieser Wanderung fand auch eine feierliche Aufnahme der neuen Wanderer patt, die sonst mit einein Heimabend verbunden zu werden pflegt. Simon Wettheim hielt eine hübsche Ansprache, in der er ausführte, daß im gewissen Sinne der Fahneneid des Soldaten dem Gelöbnis ähnele, das die ne» aufgenommenen Wanderer dem Führer durch. Handschlag geben. So wie jener stch durch den Eid verpflichte, sein Vaterland treu zu schützen, so gelobe jeder Blauweiße, das Gedeihen des Blau-Weiß nach Kräften zu fördern und das Judentum hochzuhalten. Den Aufgenommenen, drei an der Zahl, werden die eindrucksvollen Worte sicherlich zu Herzen gegangen sein. Dann wurden einige Nadeln an besonders eifrige Blau-Weiße verteilt, und bald, nachdem Schwa dach er noch eine humorvolle Ansprache gehalten hatte, herrschte eine lustige und heilere Stimmung, die in fröhlichem Spiel zum Ausdruck kam. Nur zu schnell schlug die Scheidestunde, und bald ging es, nach herzlichem Händedruck und „Schalom", gen pinneberg, von wo. wir zurückfahren wollte«. Da wir dort noch etwas zu früh ankamen, lagerten wir uns gruppenweise im nahen Gehölz und vertrieben uns durch Lieder und Linzelvorträge die Zeit bis' zum Einlaufen des Zuges. Nachdem wir wieder in Hamburg angekommen waren, nahmen alle die, welche Wettheim vor seiner Abreise nicht noch einmal zu sehen meinten, von ihm Abschied und gaben ihm die besten wünsche mit ins Feld. Dann trennten wir uns. Hamburg Ernst Nachum