Mannheim
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Blau-Weiss-Blätter · 1915-12-01 · 4 (12.1915) · page 24

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
3 (1915-1916)
Issue
4 (12.1915)
Date
1915-12-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
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Nachbarzelts gesehen zu haben. Dann marschierten wir auf dem Tapulher Heuweg ab, auf dem wir auch in der vorigen Nacht gegangen waren. Noch lange konnten wir das weiße Laken sehen. Da wir nichts gegessen halten, fiel uns das Marschieren viel schwerer als am Tage vorher, und der Weg kam uns länger vor. Wir waren sehr froh, als wir, von allen herzlichft begrüßt, gerade zum Frühfiück in Drewitz eintrafen. Berlin Erwin Berger -Herbstfahrten i; Das war eine Herbstfahrt gestern! Hei, wie der wind über die Ebene sauste und Gras und Bäume peitschte und an uns zauste und riß, daß wir uns ihm in die Arme werfen und mit ihm dahinfliegen mußten. Und eine Kraft war in uns, ein gesteigertes Lebensgefühl und eine Freude, daß wir laut hinausjauchzen mochten in all die wilde Herbstesrvelt. — Und heute sitze ich zwischen vier weißgetünchten wänden in einer unbequemen Schulbank und schaue, wie draußen alles grau ist vom Regen: das Dach des Nebenhauses, die Straße, der Neckar, die Ferne. — Und wie sich die graue Regenstimmung schon auf mich legen will, da vergeffe ich wohl alles um mich her und denke dran, wie froh wir gestern mittag waren im Hof unseres Hembacher Heimes! wie wir da lachten und sprangen und nicht wußten, wohin vor Gesundheit und Lebensfreude, die uns die Herbftluft gegeben hatte. Und wie wir dann später oben saßen, im roten Zimmer mit dem runden Tisch, auf dem ein großer, bunter Herbststrauß stand. Und zwei sangen und spielten Laute, und wir andern hörten zu und träumten. Mannheim AnniK.ahn U. Und wir wanderten. Grauer, dichter, dunstiger Nebel lag um uns herum. Eine weite, unendlich weite, trostlose Steppe. Aber als wir ins Heim kamen, da lachte wieder die Sonne. Und da sahen wir ihn, einen lustigen, tollen, übersrohen Herbst, wandern, wandern! Und das Heim verließen Buben, so toll und lustig, wie der wind, der die rotbraunen Blätter Reigen tanzen ließ. Wanderer des rf. Zuges. wir zogen über einen Berg, hinunter ins Tal. Ueber Gräben und kleine Llüffe. die unfern weg kreuzten. Und wir mußten springen. Erst über einen Graben. Ausgetrocknet und mit Moos bedeckt. Und wir sprangen; nur einer sprang nicht, doch endlich — dieser Mut -- tief in den Graben. Aber was verlangten wir nicht noch alles von dem Armen. An einem kleinen Fluffe war eine Sperre, und an der Sperre ein Haus, und auf dem Haus ein Dach. Da hinauf, Mittagsrast. Aber was wollen wir mit unserem armen Springer anfangen? Gleich dem Meister in der „Glocke" kommandierte ein Wanderer: „Ziehet, stemmet, hebt r— er bewegt sich! Schwebt!" Und oben war er. Lustig brodelte das Feuer. Lin Anblick der Ruhe und des Friedens. 9?

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