Mannheim
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Blau-Weiss-Blätter · 1915-09-01 · 3 (9.1915) · page 19

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
3 (1915-1916)
Issue
3 (9.1915)
Date
1915-09-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Treffahrt Brüder reichet euch die Hände . . . Berge und Wälder, Flüsse und Seen, selbst das unendliche Meer verhindert nicht, daß die sich zusammenfinden, die gleiche Freuden und Leiden, gleiche Ziele und Hoffnungen haben. Und wenn sie beieinander sind, dann kennen sie sich sofort, schätzen und lieben sich als Freunde, auch wenn sie sich nie vorher gesehen haben. Wenn sie aber noch gleicher Abstammung und gleicher Raffe find, wenn sie auf eine gemeinsame, tausende Jahre zurückreichende Geschichte blicken dürfen, da liegt es allen im Blute, daß sie zusammengehören, daß sie Brüder sind und für einander eintreten müssen. — Das waren meine Gedanken bei der gestrigen Treffahrt, sah ich doch in in unserem Bunde dieses Brudersein schon zu einem Teil verwirklicht und verkörpert. Also wir Mannheimer waren von Großfachsen ans losgewandert, um in unserem lieben Hemsbach Lölner Blau-Weiße, die dort als unsere Gäste weilten, zu begrüßen. Wir folgten dem äußeren Randweg, der uns oberhalb der Bergstraße durch Rebenabhänge führte. Ueppig hingen die fast reifen Trauben an den Weinstöcken. In der Ferne winkten die Burgen weinheims herüber, denen wir zustrebten. Unter munterem Gesänge kamen wir in Hemsbach an, und mit Schalom und Hedad begrüßten wir unsere lieben Gäste. Dann bereiteten wir unter ernsten und heiteren Gesprächen unser gemeinsames Mittagsmahl: Nudeln mit Obst. Und dann haben wir uns unten im Hof an den Tisch gesetzt und gesungen, jüdische Freiheitslieder, Marschgesänge und Wandervogelschnurren. Allzuschnell mußten wir aufbrechen, um übers Gebirge nach Weinheim zurückzuwandern, begleitet von den Lölnern. Noch manches frohe Lied wurde da gesungen. Als ich dann der Nebenbahn entstiegen war und durch die abendliche Dämmerung heimging, sah ich noch einmal den Tag an mir vorüberziehen, undimmer wieder fiel mir der Augenblick ein, da die jugendfrischen Stimmen über den Hof unseres Heimes das Lied hinjubelten: „Brüder reichet euch die Hände ..." Mannheim Hans Feibelmann Gine Nerchtwerndevung im Irrli Die Uhr hat \ \ geschlagen. Nicht weit mehr ist es bis zur Geisterstunde. Gespenstisch tauchen die Häuser von Drewitz auf. Auf 'den Feldern wiegen stch die Halme gleich den Elfen im nächtlichen Reigen. Bis zur Nuthewiese gehen wir singend. Hier jedoch verstummt der Sang. Die Landschaft verträgt die lauten Töne nicht. Am Graben unterhalb der Chaussee lagern wir und schauen mit Andacht um uns. Am Himmel leuchten die Sterne, und weit drunten blitzt von Zeit zu Zeit ein Scheinwerfer auf. — Wir sehen die nächtlichen Wanderer vorüberziehen, die singenden Wandervögel und die Iungmannen. Gegen zwei Uhr wandern wir weiter gen Potsdam. Nach einiger Zeit tauchen zwei feurige Augen auf; es find die Lichter der Bahnschranke, wir überschreiten sie und die Lichter werden allmählich kleiner, bis sie schließlich ganz verschwinden. Auf einem kleinen Hügel erwarten wir den Sonnenaufgang. Links der Wald, rechts das Feld, das eine weite Aussicht bietet. 67

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