Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 3 (1915-1916)
- Issue
- 3 (9.1915)
- Date
- 1915-09-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Alten haben wir eine feine Bleibe gefunden. Und dann saßen wir in der großen taube um den runden Tisch, atmeten Blumendüfte mnd fangen wieder fröhliche Weisen. Und der Alte erzählte von anno dazumal, vom Kriege 70/7 und wir dachten unserer Kameraden im Felde und wie's jetzt wohl draußen aussehen nrag . . . Auf dem „Hohen Golm". <£$ ist Abend. Wir blicken hinunter auf Wälder und Aecker, sehen Dörfer in der Ferne, weit, so weit, daß wir sie kaum jemals erreichen zu können glauben. — Die Abendröte zieht herauf; mählich verschwindet die glühende Scheibe am Horizont. Es dunkelt noch etwas nach; der Blond geht auf. Voll' mond, er überschüttet die Erde mit silbernem Glanze. — Dann ist's Tkacht; Frühlingsnacht. Wir liegen ums Zelt und blicken zum Firmament empöre unzählige Sterne flackern unruhig hin und her, auf und nieder; Sternschnuppen fallen herab. — Schweigen ringsum; jeder hängt seinen Gedanken nach; fern murmelt eine Waldquelle. — Es wird kühler. — Da greift einer zur Klampfe und fingt ganz leis: .„Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht . ..." Berlin James Breslauer 3faif den Mntzinnnn Kurz nach dem Münchner haus beginnt die Felsenwanderung. Leicht ist der Weg noch, wie zur Einführung, dann wird er steiler und abschüssiger, doch führt er rasch und sicher zur höhe. Langsam verschwindet unter uns das Grün des watzmannangers und es sind nur mehr Felsen um uns und über uns. wir steigen und als wir 2000 m gestiegen waren, standen wir auf dem watzmann, dem zweithöchsten Berg des deutschen Reiches. Und der watzmann war nebelfrei, -wie er es nicht mehr als zehnmal im Jahre ist, und wir sahen alle Spitzen und alle Gletscher, die man von hier aus erblicken kann, wir sahen das Riesenschnee, feld des Dachstein so nahe, als türmte er sich neben uns auf, wir sahen in die Steiermark fief hinein und noch weiter, fast bis zum Ifonzo: Alles ragt klar in den blauen Himmel hinein. Aber nicht lange. Der stolze watzmann will uns all feine Wunder zeigen. Lin kleiner Bebel zieht von Westen her; im Nu taucht alles in ihm unter, und es regnet. Aber üb er dem watzmann scheint die Sonne und zaubert, einen Regenbogen auf die Wolken, der sich tief, tief unter uns ausfxannt, wie eine Brücke hinunter zu den Häusern der Menschen, wir schauen nur und warten, bis das Schauspiel zu Ende ist. Die Nebel schwinden, und der watzmann steht wieder da, wie er stand, und starrt zum Königsee hinunter. Ihr kennt doch die Sage, die sich an ihn knüpft? Lin grausamer herzloser König war er, der König watzmann, der zur Strafe für seine letzte, größte Freveltat in Stein verwandelt wurde, mit seinem Weib und seinen Kindern, in harte, gewaltige Bergriesen. — Wir aber, wir vier vom Blau-Weiß, haben in sein Geheimnis hineingeschaut-— wir sagen's aber nicht weiter. München Ilse Frankel