Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 3 (1915-1916)
- Issue
- 3 (9.1915)
- Date
- 1915-09-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Ganz sachte kam jetzt die Lonne hervor, und der Himmel, von dem sich die Wolken verzogen hatten, wurde ganz blau. Gs war so still, die Heide lag Im warmen Mittagssonnenstrahle, Gin rosenroter Schimmer flog Um ihre alten Gräbermale. Der Heidedust stieg in die blaue Sommerlust. — Gin schriller Pftff schreckte uns aus unserem Träumen; da tauchte ganz hinten ein Gtwas auf, das sich bewegte. Das mußten die Iungens sein! Unter Fahnengeschwenke und Schalomrufen erkannten wir uns gegenseitig und schüttelten uns bald gerührt die Hände. — Bei fröhlichem Spiel flog dann die Zeit. Der Höhepunkt waren unbedingt die Gladiatoren-Kämpfe der Iungens, von deren kraftvoller Ausführung einige Riffe an den Kleidern und blaue Kecke an den Körpern Zeugen blieben. Nur zu bald war die Stunde der Abfahrt für die „Ginlagsfliegen" da, und wir mußten von einander scheiden. — Die Iungens brachten uns dann zu unserem Nachtquartier in der „haidelust" in lVefel und marschierten weiter nach Undeloh. Mit fröhlichem Gesänge hielten wir mm unseren Ginzug und freuten uns mächtig, als wir alles so nett hergerichtet fanden. Von der drückenden Bürde des diesmal nicht ganz leichten Rucksackes befreit liefen wir dann noch in den finkenden Abend hinaus, und vom Rande eines Wäldchens genoffen wir den wundervollen Widerschein des Sonnenunterganges und blickten solange in die rosafarbenen Wolken, bis fie langsam verblichen und die Welt fich in Dunkel hüllte. Nur die blutroten Vogelbeeren ließen nicht ihr brennendes Leuchten und zogen immer wieder das Auge auf fich. — Wir gingen nun zurück in unser Dörfchen, auf das sich der stille Abendstieden gesenkt hatte, der auch uns in seinen Bann schlug. — Am 9 Ahr lag alles in der Klappe, aber die Wände hörten noch lange ein Gewisper und Geflüster, der Boden hallte noch oft von den schnellen Füßen wider, die hinüber zu einer anderen eilten . . . Gine helltönende Turmuhr gab vier metallene Schläge, da krähte der Hahn, und wir wurden wach. Gin hellroter Schein fiel in unser Zimmer und kündete uns den Aufgang der Sonne an. Gar bald nahmen wir in dem hübschen, mit reichtragenden Apfel- und Birnbäumen bestandenen Garten unseres Wirts einen langanhaltenden, kräftigen Morgenimbiß ein, der den Rucksack wieder etwas erleichterte. Dann find wir ausmarschiert froh im Herzen, leichter im Beutel, und bald umduftete uns wieder die Heide, und das Summen der Honig