Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 3 (1915-1916)
- Issue
- 3 (9.1915)
- Date
- 1915-09-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Doch erst, wenn deine Qual dir Stärke, Wenn Kraft dir gibt, was in dir weint, Erst wenn du hilfst an unferm großen Werke, Das unser altes Volk aufs neue eint; Wenn dir zu Taten die Gedanken reifen. Die dich dem großen Ziele weihn, Und alles Kranke, Schwache von dir streifen. Wirst du ein guter Jude fein. Meiner Mntter Nicht uns, die fechten, stürmen, siegen, fallen, schlägt dieser Krieg am blutigsten die Wunden — er gab uns manche frohen, frischen Stunden — die Mütter trifft die schwere Zeit vor allen. Denn ist's hier draußen auch ein hartes Leben, wir lernten schnell, darein uns zu gewöhnen, sie aber find beständig bei den Söhnen mit ihren Sorgen unter stetem Beben. Wir lernten uns an trocknem Brot zu weiden, uns scheint's ein Leben, wie es Fürsten führen, sie mag den vollen Teller nicht berühren: „Wird auch mein Sohn nicht heute Hunger leiden?" Uns naht auf freiem Felde tiefer Schlummer, und faules Stroh ist uns ein süßes Bette, : sie aber stiehl auf weicher Lagerstätte jedweder Schlaf, und rastlos wacht der Kummer. „Wo mag mein Sohn sich heut' wohl niederstrecken? Wird er nicht frieren?" So geh'n ihre Sorgen, And schlaflos findet sie der frühe Morgen, und frierend liegt sie unter warmen Decken, Uns macht der Kampfeslärm nicht mehr beklommen, die Kugeln schrecke» uns nicht mehr, die schnellen, die nächtens schrecklich in den Traum ihr gellen — es hat ihr jede ihren Sohn genommen. 58