Mannheim
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Blau-Weiss-Blätter · 1915-09-01 · 3 (9.1915) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
3 (1915-1916)
Issue
3 (9.1915)
Date
1915-09-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Zwischen Nacht und Tag Die Sterne funkeln noch. Sie blicken noch einmal hinunter auf die Erde. Dann erblassen sie langsam. Ein Nebel umfängt alles; jedoch nur für einen Augenblick, solang sich Nacht und Tag stumm die Hände reichen. — Der Tag naht. Mit ihm Leben, Freude, Mühe und Tod. — Wenn die Sonne in ihrer erhabenen Majestät erstrahlt, vergessen wir alles Schwere und Traurige. Licht, Wärme, Freude und neues hoffen bringt sie uns; deshalb lieben wir sie und sehnen uns nach ihr! —- Aber jemand anderes bahnt ihr den Weg, sie braucht ihn nur zu gehen, sich nur zu zeigen, gemacht ist er schon. Von wem? — Von diesem namenlosen „Etwas", das zwischen Tag und Nacht liegt? Tin Werk hat es vollbracht, wenn es stumm in inniger Aameradschast der Nacht zum Scheiden die Hand drückt. Es ist nicht herrlich, es erstrahlt nicht, wir können ihm nicht entgegenjauchzen wie der Sonne; unh trotzdem lieben wir es, möchten es fest» halten, wenn es erhaben an uns vorüberzieht. Ein Gefühl der Ehrfurcht beschleicht uns.-Und dann kommt die Sonne, und alles lacht ihr entgegen. — Liebe Blan-Weißel Steht einmal früh auf, auch wenn ihr keine Fahrt macht. Setzt euch dann ans Fenster und seht dem Weltenschauspiel zu, wenn der Tag kommt und die Nacht schwindet. Da denkt man über so manches nach, wozu uns der Tag keinen Anlaß gibt. Vielleicht besinnt ihr euch auf euch selbst, vielleicht denkt ihr zu dieser Zeit über unser jüdisches Volk, nach und fragt euch, ob wir auch als ein „Etwas" für „eine Sonne" arbeiten wollen! Mannheim Rosel hilb Gedichte von Ludwig Kanz Meyer An Iions Söhne Blickst oft du fragend in die Sterne, Als wenn du Stütze suchst im Weltenraum, Schweift oft dein Auge in die weite Fexne Doll Sehnsuchtshoffen nach dem Blütentraum,- Spannt oft sich deine Brust in hejßen Schmerzen Um deines Volkes Döt und Pein, Liegt stets ein stillos Weinen dir im Herzen: Dann magst du wohl ein Züde sein»

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