Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 3 (1915-1916)
- Issue
- 3 (9.1915)
- Date
- 1915-09-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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zur Mutter Erde, die den Wandelnden immer neue Kraft gibt, — und nun schauen sie aus ruhigen, kühnen Augen, und ihr Schritt ist lang und schnellkräftig wie des Panthers Schritt. Ich habe ste an der Arbeit gesehen, mit unermüdlichen Armen schwangen sie die schwere pflanzerhacke; ich sah sie hinter Pflug und Sämaschine im Sonnenbrände; von ihren braunen Stirnen troff der Schweiß. Ich sah die Wächter auf ungesattelten Roffen durch die Nacht jagen, die wüchse im Arm, den Patronengurt um die Hüften. Ich sah sie, wie sie die Hengste in den Tiberiassee ritten, nackt, in kraftvoller Schönheit, der schlank« Körper wie aus Bronze gegossen, die Sehnen wie aus Stahl geschmiedet, und mein Herz schlug höher. Wenn wenige Jahre harter Bauernschaft hinreichen, um den Sklavenstempel zweitausendjähriger Schmach und Knechtschaft auszulöschen, —- was kann aus dieser Raffe werden? Wie wird erst das Geschlecht dreinschauen, das jetzt in diesen Dörfern aufblüht. Ich habe sie gesehen, diese Kinder der Kolonien, die Kinder der Sonne und der Freiheit: blitzende Augen in rosigen Gesichtern, schlanke, stolzgetragene Körper auf zierlichen nackten Füßen, die hurtig zu springen verstehen, junge Stämme, die kerzenschlank ausschießen, weil sie im Heimatboden wurzeln, weil sie als Herrengeschlecht über den eigenen Boden schreiten. Sie lernen das Ducken und Kuschen nicht, die jungen Grenzer, aber zu reiten lernen sie fast eher als zu gehen, und die Flinte ist ihnen jung vertraut. Büblein sah ich jauchzend durch die Gaffen galoppieren, die sich nur mit den nackten runden Beinchen am Halse des Pferdes hielten, — und schon gibt es einige Wildfänge, die selbst den stolzen Beduinen der Wüste als ihresgleichen gelten, solche Reiter und Schützen find sie! Was tut es, wenn einmal einer aus diesem Geschlecht der arabischen Blutrache zum Vpfer fällt? Das ist Grenzerlebsnl Die andern werden nur umso wehrhafter. And was braucht die Raffe mehr als Wehrhaftigkeit? In jedem Hause, das ich betrat, hängt Theodor Herzl's Bild. Er ist der ungekrönte König dieses werdenden Jungvolkes, dem er den Willen zum Werden gab, für das er starb, und dem er doch weilerlebt: als Erzieher zum Volkstum und Vorbild einer stäiken und schönen Persönlichkeit. B e r l i n -Steglitz V r. Fra n z G p P e n h e i m e r 56