Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 3 (1915-1916)
- Issue
- 2 (7.1915)
- Date
- 1915-07-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Gleichzeitig hielten auch die anderen Züge, keiner freilich in so an* glücklicher Stellung wie meiner, der ohne Deckung den Berg hinab lag. So lagen wir und warteten, bis die Artillerie sich den Wald, der Feuer spie, noch einmal besser vornähme. Das erfolgte denn auch bald, nur daß es mir nicht mehr nützte. Nachdem ich schon von allen Seiten gehört hatte: „Herr Feldwebel, ich bin verwundet," fühlte ich plötzlich selbst den bekannten Schlag, der mir den linken Fuß fast um die Ohren schleuderte. Ich übergab das Kommando einem Unteroffizier und kroch langsam zurück, wobei ich mir vollkommen klar war, daß ich in jeder Sekunde eine Kugel im Kopf haben konnte und noch die Empfindung hatte, daß sie gerade auf mich besonders zielten. Ich blieb in einer Ackerfurche liegen und habe mich fo eng an den Boden gedrückt, daß....meine.Nche ,die,^rde, durchbohrte. So lag ich fast unbeweglich von \\ bis 3 Uhr und habe nur kurze Sekunden den Kopf gehoben, einmal, um den Zug mit neuen Reserven vorwärts zu treiben, und dann öfters, um zu beobachten. Schließlich wurden die Russen doch mürbe und ergaben sich haufenweise. Um 3 Uhr war die erste und eine zweite Stellung gestürmt, und im kaufe des Tages rückte das Regiment noch 800 Nieter weiter vor, als es im günstigsten Falle nach dem Befehle Vorkommen mußte. Dis Opfer waren freilich sehr groß. Um 3 Uhr etwa, als der Angriff bereits weit vorgedrungen war, tauchte ein Unterarzt auf und verband mich. Dieser Verband ist erst in Kattowitz abgenommen worden. Dann humpelte ich nur mit einem Strumpf über dem Fuße zum Verbandplatz und führte noch einen armen Teufel aus meinem Auge mit, der durch einen Streifschuß ein Auge verloren hatte und so verbunden war, daß er nichts sehen konnte. Dort lagen wir von Uhr nachmittags bis 8 Uhr morgens und warteten. Die Sanitätskompagnie hatte mit dem Aufsuchen und AbLransportieren der Schwerverwundeten so viel zn tun, daß die andern eben warten mußten. Am nächsten Morgen begann eine unerhört langsame Elsenbahnfahrt, und nun bin ich hier. Ich muß sagen, daß ich bei der ganzen Sache sehr ruhig war. und alles klar und deutlich erwogen habe. Meine Nerven haben pch absolut gehalten. Bewundert habe ich unseren Major, der im Gefecht tollkühnen Mut zeigte. Er stand in voller Größe da und schrie — genau wie auf dem Exerzierplatz — daß man es weithin hörte: „Der Unter» offizier da, find Sie Lot? — dann führen Sie Ihre ... gruppe vor!" 3*