Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 3 (1915-1916)
- Issue
- 2 (7.1915)
- Date
- 1915-07-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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kommen» russischer Beamter und der Bestialität beutegieriger Kosaken zum Dpfer gefallen ist. An Martern, Verzweiflung und Todesqual unschuldiger Männer und Frauen und hilfloser Kinder. Wir denken heute, am 9 Ab, an 600 000 unglückliche Brüder aus dem westlichen Rußland, die als „Verräter" verdächtigt von der eigenen Regierung von Haus und Hof vertrieben und ins Innere — nach Osten — abgeschoben wurden, wobei man niemanden schonte. Schwerkranke nicht, noch Wöchnerinnen, und nicht einmal die verwundeten jüdischen Soldaten in den Lazaretten, die für Rußland gekämpft und geblutet hatten. Alle wurden öffentlich des „Verrats" geziehen; alle mußten sie hinaus, in 2\ Stunden, zusammengepfercht in Güterzügen, Zehntausende zu Fuß. hier und da hört man wohl Stimmen — und leider gibt es sogar jüdische Stimmen dabei —, welche die Juden des Ostens,- un*— fere Brüder in Rußland und Galizien, die auch im Frieden in Unglück und Bedrängnis lebten, als „minderwertig" den Juden Westeuropas gegenüberstellen wollen. Wir aber wissen, daß nur Unkenntnis und Verständnislosigkeit, oft auch böswillige Lüge und gemeine Verleumdung Millionen von Juden als „moralisch verkommen" hinzustellen vermocht hat, Juden, in denen jüdisches Volkstum stark und lebendig ist, die im tiefsten Glend ungebeugt sich der Ahnen Stolz bewahrt haben. Als 280 000 Juden, die am ld- und 20. Mai in eines Tages Frist die Gouvernements Kowno, Kurland und Suwalki räumen mußten, wenige Tage später die Rückkehr in ihre Wohnstätten unter der Bedingung erlaubt wurde, daß sie ihre Rabbiner und andere angesehene Männer als Geiseln stellten, die beim ersten Versuch eines Verrats gehängt werden würden, da haben diese Unglücklichen, die ihr ganzes Hab und Gut ohne Schutz und Obhut zurückgelaffen hatten, im Glend zu bleiben beschloffen und die stolze Antwort gegeben: „Wir werden von der Grlaubnis der russischen Regierung keinen Gebrauch machen, solange eine Bedingung daran geknüpft ist, welche die Ghre des Judentums herabwürdigt". Jüdischer Stolz spricht aus dieser Antwort und Ade! der Ge» fmnung, und mancher Jude in Westeuropa, der auf seine Brüder im Osten herabblicken zu dürfen vermeint, wird aus dieser Antwort lernen können. Jüdischer Stolz und Adel der Gesinnung .... Gines Mannes, gedenken wir noch in diesen Wochen der Trauer, der durch sein Leben und Wirken, vielen hunderttausend««, die dem Judentum schon ent» 2»