Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 3 (1915-1916)
- Issue
- 2 (7.1915)
- Date
- 1915-07-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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fremdet waren. Würde und Selbstbewußtsem zurückgegeben hat, Theodor herzls, der in den „drei Wochen" des Jahres 5664 am 20. Tammus (dem 3. Juli J904) in der Blüte seiner Jahre gestorben ist, betrauert von allen Juden ohne Unterschied der Partei, die dem Judentum in treuer Liebe ergeben find. In schönen Worten hat Max Nordau, einer seiner treuesten Freunde, bald nach seinem Tode sein Bild gezeichnet: „Sein Geist nährte und schmückte fich an der modernsten, entwickeltsten Kultur Westeuropas, sein Herz schlug im Gleichtakt mit den Juden des allertraditionellsten Osteuropas. Er stellte in den Dienst der poetisch kühnsten Konzeptionen die vernünftige überlegte Methode des Staatsmannes, des kaltblütigsten Berechners. Und um nichts zu verschweigen: er war auch durch das. Aeußere und durch die Nebensächlichkeiten, die in den menschlichen Dingen eine so große Bedeutung haben, begünstigt. Lr war schön, er war groß und wohlgebaut, er hatte eine edle, denkende Stirne, ein schwarzes Herrscherrüge, ein bezauberndes Lächeln, eine warme, starke, weittragende Stimme. Er ist in Wohlhabenheit geboren und groß geworden, und sein angeborener Stolz hat nie Demütigungen der Armut gekannt. Sein Auge hatte stets die Angewohnheit, den anderen immer gerade and voll anzublicken, mochte es ein Kaiser, ein König oder der Papst sein. ... Zum ersten Male nach zweitausend Jahren brachte das jüdische Dolk einen Mann hervor, der ein ebenso bewundernswerter Europäer als zugleich ein begeisterter Jude war, der die radikalsten Fortschrürsrdeale hatte und zugleich einen ausgezeichneten geschichtlichen Sinn, der Dichter rmd Staatsmann für die jüdische Sache war, der präfident, Redner, (Organisator, Träumer, Tatenmensch war. Vorsichtig, wo er konnte, kühn, wo er mußte, bereit zu allen Opfern und sogar zum Martyrium, oweit es fich um ihn selbst handelte, doch nachsichtig, von unerschöpficher Geduld gegen alle andern; stolz, edelmütig, würdevoll und >ennoch bescheiden, brüderlich den Einfachsten und Geringsten gegenüber. Dieser Mann war Theodor Herz! und er war erst viernndvierzig Aahre alt, als wir ihn verloren."- Tage der Trauer find uns die drei Wochen vom \?. Tarnmus ns zum 9- 2lb. Der Klage und der wehmütigen Erinnerung sind re geweiht. Aber wir wären nicht unser Judentum stolz bekennende I,Blau-Weiße", wollten wir in ihnen nicht — jeder in seinem Herzen — >en Schwur erneuen, unser Alles für das hohe Ziel einzufetzen, daß mserm unglücklichen Volk eine glückliche Zukunft beschieden sei und eine Trauer fich in Freude wandle. M a r 1 i n R o f e n b l ü t h