Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 3 (1915-1916)
- Issue
- 2 (7.1915)
- Date
- 1915-07-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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I-U *9*5 Jahrgang 5 2 Tischah B'ab „Die drei Wochen" zwischen dem s7. Tammus und dem 9- Ab Pnd Wochen der Trauer für das jüdische Volk. Am ^7. Tammus des Jahres 70 mußte in dem von Titus belagerten Jerusalem der tägliche Dpferdienst im Tempel eingestellt werden, am 9. Ab wurde der Tempel selbst ein Raub der Flammen. Jerusalem stel an diesem Tage in die Hände der Römer, die erbittert über den hartnäckigen Widerstand, den die Juden geleistet hatten, mit grausamer Härte. gegen die Besiegten verfuhren. Viele Tausende wurden getötet, von den Ueberlebenden alle, die nicht fliehen konnten, Männer, Frauen «nd Rinder in die Sklaverei verkauft. Mit dem Fall Jerusalems war das Schicksal des jüdischen Volkes besiegelt. Am 9- ^b verlor es sein Land, seine Heimat; zum zweiten Mal — denn auch die erste Zerstörung Jerusalems im Jahre 586 durch die Babylonier hat der Ueberlieferung zufolge am 9* Ab stattgefunden. Seitdem ist der 9- Hb ein Trauertag für das jüdische Volk; und die frommen Juden in der ganzen Welt beten und fasten an diesem Tag und fingen in einer schwermütigen Melodie die MegiUath Echah, das find jene Rlagelieder, in denen Jeremias um Zions Untergang getrauert haben soll. Im vorigen Jahre fiel der 9- 2li> auf den s. August, den Tag, an dem der größte Rrieg losbrach, den die Welt je gesehen. Für das jüdische Volk erwies er sich wieder als ein Unglückslag, denn den Massen des jüdischen Volkes, die im (Osten wohnen, in Rußland «nd Galizien, hat er unbeschreibliches Elend gebracht. Wir reden nicht von denen, die in treuer Pflichterfüllung auf den Schlachtfeldern verbluten. Wir denken an hunderttansende, die vor den anrückenden Russenheeren in Galizien Haus und Hof im Stiche ließen und als mittellose Flüchtlinge ein trotz aller Hilfeleistung kümmerliches Leben friste» mußten, an Unzählige, die — weil sie nicht fliehen konnten oder mochten — das russische Schreckensregiment in Galizien bis auf die Neige gekostet haben, an Hunderte, deren Leben der Willkür ver«