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Blau-Weiss-Blätter · 1915-03-01 · 9 (3.1915) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1914-1915)
Issue
9 (3.1915)
Date
1915-03-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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wegen seiner physikalischen und optischen Versuche. Denn wie er eine Leuchte der rabbinischen Wissenschaft war, so auch ein gründlicher Flenner der Naturwissenschaften, im besonderen der Astronomie, Physik und Mathematik. Darum stand er auch in hoher Gunst bei Rudolf dem Zweiten, der bekanntlich eine leidenschaftliche Vorliebe für Alchymie und Astronomie hatte, und seine Audienzen beim Kaiser erhöhten sein Ansehen allenthalben. Rabbi Löw mag auch «ine große Rolle in dem Kreise von Gelehrten wie Tycho Brahe, Kepler, Longo* montanus gespielt haben, die Kaiser Rudolf um sich versammelt hatte. Wahrscheinlich stand er zu Tycho Brahe auch in freundschaftlichen Beziehungen, wie das von feinem Zeitgenossen, dem vortrefflichen Mathematiker und Astronomen Rabbi David Gans, der auch hier begraben liegt, feststeht. Der Ruhin Rabbi töws überstrahlt fast alle Anderen, die hier begraben liegen. Und doch haben hier »loch viele Männer von Be» -entu»»g ihre Ruhestätte gefunden. So ruht unter einem der schönsten Grabmäler einer der bedeutendsten Gelehrten des siebzehnten Jahr» hnnderts, der berührnte Weltreisende, Arzt und Mathematiker, Schüler -es großen Galileo Galilei, Josef del Medigo de Candia. Oder der bekannte Bibliophile David Oppenheim, -essen große Bibliothek sich jetzt in (Oxford befindet. So ließe sich die Reihe fortführen bis zu»n Jahre f?87, wo durch Kaiser Franz Josef den Zweiten die Beerdigung auf allen Friedhöfen innerhalb Prags verboten wurde. Aber dieser reiche Schatz von geschichtlichen Grinnernngen ist es nicht allein, »vas uns diesen (Ort so wert macht. Denn dieser Friedhof ist kein Mnseuni, wo man alte Dinge mit Interesse betrachtet. Seine lebendige Schönheit macht uns vergessen, daß wir uns an einer Stätte des Todes befinden, und läßt uns «in« innige Verbundenheit fühlen mit all den Geschlechtern, deren Spuren er trägt. Schön ist er zu allen Zeiten des Jahres, am schönsten aber im Spätsrühling, in den ersten Junilagen. Dann blüht der Hollunder, der die Gräber umrankt, mit lausenden von Blüten, die «N Sonnenschein sich wiegen und betäubenden Duft aussenden, umschwirrt von dein Surren unzähliger Fliegen u»»d Kaserumtönt vom Sanqe der Amseln, die i»n Dickicht nisten. Blüte an Blüte bedeckt den Fliederwald, und, von den durchdringenden Sonnenstrahlen mit goldigen Flecken besät, blitzen dazwischen die zertrümmerten Steine und die „mrmornen Grabstätten hell auf. . . . »

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