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Blau-Weiss-Blätter · 1915-03-01 · 9 (3.1915) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1914-1915)
Issue
9 (3.1915)
Date
1915-03-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
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deutenden Männer der Gemeinde, und ein gutes Stöcf der Geschichte der Prager Iudenschaft ist mit diesen Männern verknüpft. Einer der ältesten Steine ist der des oben erwähnten Abigdor Karo, von dessen reicher wissenschaftlicher und literarischer Tätigkeit uns einzelne Merke erhalten sind; er soll am Hofe des böhmischen Königs Menzel des Vierten eine angesehene Persönlichkeit gewesen sein. Jünger, aber wegen der darunter Begrabenen bedeutsam sind die Steine des bekannten Buchdruckers Mordechai und seines Sohnes Lerslel, Kohanim, Nachkommen des Gründers der Prager, im ganzen damaligen Europa bekanntgewordenen hebräischen Druckerei der Ger» souiden, und das prächtige Grabmal des Mordechai ben Samuel Meisel, des großen Wohltäters der Prager Gemeinde, dessen Name noch heute die von ihm gegründete Meiselsynagoge und das Meifelgäßchen tragen. Alle diese Männer aber übertrifft an Nachruhm der Mann, der unweit vom Grabe Meiseis am Rande eines schattigen Weges im mittleren Teil« des Friedhofs begraben liegt. Ls ist Jehuda ben Bezalel Löw, genannt der Hohe Rabbi Löw. Eine groß« schön gemeißelte Tombe schmückt sein Grab, bedeckt von Tausenden kleiner Steinchen. Denn jeder Jude, der vorübergeht, fühlt sich verpflichtet, nach alter frommer Sitte ein Steinchen auf das Grab des erhabenen Rabbi zu legen. Und im Kreise um ihren Meister liegen dreißig seiner Schüler begraben, im Tode noch ^hrer Verehrung Ausdruck gebend. Zahllose Sagen und Legenden knüpfen sich an den Namen des hohen Rabbi Löw. Die bekannteste ist wohl die vom Golem, jener menschlichen Figur ans Lehm, der er Leben eiuhauchte, indem er ihr den Gottesnamen auf die Stirn schrieb, und die ihm allerlei Dienste verrichten mußte. Und so berichten noch viele ander« Sagen von seinen Zauberkräften. Linen edlen Grafen soll er samt Gefolge in seinem kleinen Häuschen bewirtet haben, indem er es in ein riesiges Schloß verwandelte. Und vor dem Kaiser Rudolf dem Zweiten ließ er auf dessen Wunsch die Patriarchen erscheinen. Als dabei einer der Höflinge wider das Verbot des Rabbi sprach, senkte sich plötzlich die Decke des Saales und hätte den Kaiser und alle Anwesenden erdrückt, wenn nicht der Rabbi Einhalt geboten hätte. > den Ruf eines Zauberkünstlers war Rabbi köw gekommen wohl nicht so sehr, weil er sich mit der Kabbalah beschäftigte, als

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