Mannheim
Compact Memory

Blau-Weiss-Blätter · 1915-03-01 · 9 (3.1915) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1914-1915)
Issue
9 (3.1915)
Date
1915-03-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2425321-3181687-3181697--0338-3182173
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

und die Allneuschul seien kurz nach der Zerstörung Jerusalems gegründet worden. Das dürfte wohl » u r Sage sei». Ziemlich ficher ist aber, daß er im elften Jahrhundert bestanden hat, wenn er auch erst am Ende des vierzehnten Jahrhunderts direkt genannt wird. Dies geschieht in einer Elegie des berühmten Dichters Abigdor Karo, die noch heute an» versöhnungstage gesungen wird, in der er die Verwüstung der Jndenstadt sim Jahre 1389) und die Zerstörung der Gräber seiner Ahnen beklagt. Demnach muß der Friedhof damals schon ein gewisses Alter gehabt haben. Gelegen ist er in der sogenannten Josefstadt, der früheren Judenstadt. Dort, wo noch vor wenigen Jahren kleine Häuschen und krumine Gäßchen das Bild einer mittelalterlichen Judenstadt boten. Jetzt sind dort breite Straßen und neue Häuser, aber die alte Schönheit ist dahin, und ein großer Teil des Friedhofs selbst ist der neuen Zeit zum Gpfcr gefallen. So steht er einsam in freinder Umgebung. Nur die altehrwürdige Allneuschul, Zeit- und Schicksalsgenosse des Friedhofs, steht, wenn auch durch eine Reihe neuer Hauser geschieden, in der Nähe, und vom andern Ufer der Moldau grüßt die Prager Burg, der hradschin — ein alter Bekannter. Wenn wir eintreten, möchten wir glauben, nicht in einer Begräbnisstätte, sondern in einem etwas verwilderten Garten zu sein. Denn wir sehen erst nichts als eine grüne Wildnis von Bäumen und Sträuchen», dicht ineinander verflochten zu einer undurchsichtigen Masse. Und erst wenn wir auf schmalen Wegen tiefer eindringen, merken wir, daß aus dem hohen Grase niedrige Steine Hervorschauen, grau und verwittert und mit halbverwischten hebräischen Inschriften bedeckt. Immer nrehr werden ihrer, und in allen Lagen durcheinander, schief, fast am Boden liegend oder noch aufrecht aber tief eingesunken, bilden sie eine Wirrnis, die mit der Pflanzenwirrnis um die Herrschaft kämpft. Schwer sind die Inschriften zu lesen, aber die symbolischen Figuren auf den Grabsteinen zeigen uns wenigstens den Rang dessen an, der hier liegt. So bedeutet eine Traube den einfachen, nicht zürn priesterstamm gehörenden Juden, eine Ranne bezeichnet die Ruhestätte eines Leviten und das Symbol der segnenden Hände erinnert uns an «inen Nachkornnren A h r o n r. — Zwischen den niedrigen Grabsteinen ragen auch stattlichere hervor, Grabmäler. in Form von Sarkophagen, außer den Inschriften auch mit Aapitälen und Grnamenten prächtig verziert, hier liegen die be-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.