Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1914-1915)
- Issue
- 9 (3.1915)
- Date
- 1915-03-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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lichen Schicksal, unter dem der größte Teil unseres Volkes noch immer seufzt. Millionen unserer Brüder im Gsten, die eins sind mit uns, mit deren Unglück wir leiden und mit deren Tranen wir weinen, sie leben ja heute noch in unwürdiger Anechtschaft und dulden die Qualen, die unsere Vater duldeten. Vielleicht wird beim großen Ringen der Völker auch für sie eine neue, eine glücklichere Zeit anhcben, wenn das russische Joch gebrochen ist, das hart wie das ägyptische auf ihnen lastet. Muß das nicht unser heißer Wunsch an diesem peßachfeste, dem Feste der Freiheit, sein? Werden wir alle, wir Blau-Weißen, uns nicht eins wissen in diesem peßachwunsche? Denn wenn es zur Schande unseres Volkes wahr ist, daß es Juden gibt, die den Juden des (Ostens zurückstoßen, weil sie der Geruch des Glends schreckt, Juden, die nicht Mitarbeiten wollen an der Befreiung unseres Volkes, weil sie nicht «ins fein wollen mit den arnren, leidenden Brüdern, Juden, die es in herbem Ligennutz ablehnen, am Glück der Gesamtheit mitzuschaffen, so denke ich, daß jedenfalls bei uns im „Blau-Weiß" kein Platz für solche ist. Denn das ist das jämmerlichste und unwürdigste an einem Volke: wenn es nicht befreit fein w i l l, nicht leben will als Volk. Darum — wenn wir unsere pcßachgeschichte recht verstehen und lieben, wenn wir wollen, daß sie sich wiederholt und daß das ganze jüdische Volk wieder als ein freies Volk lebt, so müssen wir Juden alle einander lieben und für einander wirken. Berlin L lsa Rosenblnth Der alte Prager Iudenfriedhof Wir Inden besitzen, trotz unserer langen Geschichte, recht wenig Orte, an denen uns geschichtliche Erinnerungen lebendig vor die Augen treten. Gewiß, in Lrez Israel gibt es sehr viele Stätten, die vom Hauch der Vergangenheit umweht sind. Aber hier in Luropa find die Geschicke unseres Volkes viel zu wechselvoll und unstät gewesen, als daß viele Spuren erhalten geblieben wären. Um so mehr ergreift uns darum der Anblick der (Orte, wo wir das Leben und Wirken unserer Vater greifbar vor uns sehen können. — Darum möchte ich einiges von dem Prager Friedhof erzählen. .. <£r ist recht alt, unser Friedhof, sicher ebenso alt wie die Anfiedlung der Juden in Böhmen überhaupt. Melden doch Sagen, er habe -schon zur Zeit Libuscha's, der sagenhaften Böhmenherzogin und Grün» derin von Prag, bestanden; eine derselben erzählt sogar, der Friedhof