Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1914-1915)
- Issue
- 8 (1.1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2425321-3181687-3181696--0321-3182155- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
-aß es uns fast Sunbc schien, ihm unsere Spuren einzudrücken. Mitunter strebte, ein belastetes Bäumchen im sanften Schwünge zu seinen Kameraden auf der anderen Seite des Weges. Begegnete ihm ein anderes von drüben, so wurde ein herrlicher gotischer Bogen daraus. An manchen Baumen hing es wie weiße Trauben, Wir warfen Schneebälle danach und freuten uns, wenn ein feiner Sprühregen herab kam und der befreite Ast hochschnellte. So wanderten wir stundenlang weirer, aber mmer erschien der Wald anders, herrlich sah es aus, wenn die hohen Kiefern von einer Seite beschneit waren. Dann zeichnete sich von weitem ihr Seirendild mit einer leuchtenden Hellen Linie. Nachdem wir uns sattgesehen. kamen wir abends ins Muartier. Nach dem Esten saßen wir dann noch eine Stunde beisammen- und lasen vor dem Schlafen ein schönes Märchen. Am nächsten Morgen zeigte es sich, daß es doch nicht richtig ist, die Zeit zn verachten. Denn da wir ohne Uhr waren und nicht geweckt wurden, erhoben wir «ns nach gesegnetem Schlafe erst sehr spat. Diesmal führte uns der weg über Weite Strecken Heide. Soweit das Auge trägt, nichts als Weiß. Auch der Himmel strahlte weiß wieder, und es gab keine Grenze zwischen ihm und der Erde. Wo das Gelände nicht eben war, da prägten sich die Formen der schlummernden Erde?i unter der warmen Decke aus, und die Schneeflache war sanft geschwungen. Als.< wir wieder in den Wald kamen, da winkten die Wegweiser noch verträumt, ob< Wohl die Sonne schon hoch am Himmel stand. Sie sahen wohl selten jemand und: freuten sich, auch einmal nützlich zu sein. Mit ihrer Hilfe kamen wir denn auch, abends ans Ziel und lasen im freundlichen Gasthof unser Märchen weiter. Ls. rvar wie eine Fortsetzung unserer Wanderung — in noch viel wunderbarere Gefilde. . i Der dritte Tag zeigte uns das Kloster Ehorin, wo die Sonne auf schneebedeckten Dächern und ephcuumrankien Spitzbögen spielte. Da geschah uns etwas Merkwürdiges. Dicht an dem Kloster, zugleich mit den herrlichen Bogenfenstern himmelanstrebend, mit stolzem Stamme, stand ein ausländischer Baum. Bewundernd machten wir vor ihm Halt, aber keiner von uns kannte ihn. Da entdeckten wir ein Schildchen: Ls war eine Leder. Wir sahen uns an. Und lebendige Freude erfüllte uns, daß unser Baum so schön ist. — Auch der dritte Tag ging schnell zu Lnde. wir fuhren nach Haus, um bald von neuem in den Wald hinauszuziehen. Der ist ja unsere wahre Heimat. Berlin Bernhard Bartfeld II. Hoch lag der Schnee, als wir endlich den Entschluß faßten, anstatt des Kürzeren Weges nach St. den weiteren, aber riel schöneren weg über den Hohen Golm" zu gehen. Anfangs, als wir noch auf der ausgefahrenen Landstraße marschierten, wo unsere Tritte auf dem hartgefrorenen Boden weithin wider» Hallten, kamen wir schnell vorwärts. Ls war bereits Mittag, als wir in L m d o r f kurze Rast hielten, und wir mußten uns beeilen, noch vor Einbruch der Dunkelheit den Golm zu übersieigen. Nicht oft genug konnten uns die Bauern und besonders ein Feldwebel vor dieser ^wahnwitzigen Landpartie" warnen. Seit Schnee oben lag, sei sogar der Turm» Wächter herunter gekommen, weil es ihm nicht mehr ganz geheuer war! Das alles schreckte uns Vlau-Weiße garnicht. Schnell brachen wir auf; zurrst ein Stückchen Chaussee, dann zweigte unser weg in den Wald ad. Hier lag