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Blau-Weiss-Blätter · 1915-01-01 · 8 (1.1915) · page 14

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1914-1915)
Issue
8 (1.1915)
Date
1915-01-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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HSHe standen; aber ich meine, gerade diese einfache Natürlichkeit gab ein getreues Spiegelbild von dem Geist des Wanderbundes, Erziehung zur Natur, zur Bescheidenheit, zur Selbständigkeit! Und auf all den jungen Gesichtern, die da zuletzt vom Podium leuchteten, lag dieselbe Frische und Freudigkeit, die sie von ihren sonntäglichen Fahrten, von den wöchentlichen Heimabenden mit nach Hause bringen, wenn wir Mütter auch oft klagen über die durchs Rucksack-Packen gestörte Morgenruhe, *) über die einsamen Sonntage, — wir möchten den Blau-Weißen ihre herrlichen Sonnentage nicht wieder nehmen, ja, wir beneiden unsere Jugend um diese „Errungenschaft der Neuzeit"! Und wie ich, so dachten an diesem Abend noch viele Gäste, Eltern wie Kinder; das bewiesen die zahlreichen Eintragungen in die „Intereisentenlisten". Das zeigte sich aber ebenso deutlich in den verschiedenen Aeußerungen. die ich hörte» „Ich möchte furchtbar gern, daß mein Sohn zum Frühjahr eintritt", oder „Meine kleine Schwester muß sofort mit." Oder von einem jungen Mädchen: „Bisher hatte ich keine Zeit, aber jetzt bleibe ich euch treu". Eine andere war so begeistert, daß sie gern sofort eintreten wollte, aber gleich als Führerin! Ich hatte leider keine Zeit, ihr klar zu machen, daß dieser Wunsch wohl kaum zu erfüllen sein dürfte. So leicht ist des Führers Amt wohl nicht! Bei Ausbruch des Krieges, als alle Wellordnung ins Schwanken geriet, war es der Führerschaft besonders schwer, den noch so jungen Wanderbund zusammen zu halten. Acht seiner Führer stehen im Dienste des Vaterlandes; da sahen die, denen das nicht vergönnt ist, es als Ehrenpflicht an, die eben begonnene Arbeit fortzusetzen, unterstützt von neuen, jungen Kräften und den tätigen Führerinnen. Möge ihr Streben weiter von so sichtbarem Erfolg gekrönt werden; mögen dieser ersten Lhcmukah-Feier in Hamburg noch viele ebenso schöne folgen! Eine Blau-Weiß-Mutter. Winterfahrten in die Mark. .'■ . I Zn fünfen zogen wir fort, losgelöst vom Tage, sogar die Zeit hatten wir zu Bause gelassen, denn keiner hatte eine Uhr. In Bernau begann die Wanderung, und bald waren wir in herrlichem Forst. Alles war weiß. Die Bäume hatten ihre Aeste weit ausgebreitet, um dem fallenden Schnee einen freundlichen Aufenthalt zu gewähren. Der hatte die Höflichkeit genutzt und sich gleich Ln dichten Wolken niedergelassen, wir nahmen die Schönheit so hastig und begierig auf, als sei sie ein Wunder, das sofort verschwinden könnte. Aber das Wunder blieb und wurde nur immer größer. Wir kamen an den L i e p n i tz s e e. Ringsherum weiße Bäume. Und drunten im See dasselbe Bild noch einmal. Wo die Ufer einander näherkamen, da hatte das Eis vom Rande angefangen zu bauen. Wie mit einem Messer abgejchnitten streckte sich seine scharf begrenzte Fläche nach der Mitte. Das viele Schauen wurde unterbrochen durch einen heiteren Zwischenfall, der unserem Drang zu übermütiger Betätigung zu seinem Recht verhalf. Mr entdeckten Lm Wasser einen Stiefel, den wir angelten und» auf dem Wege so eingruben, daß er wie das Bein eines Mannes aus dem Schnee hervorsah. Dann gings weiter, auf «infamen, schmalen Waldwegen. Und hier lag der Schnee so zart und unberührt, ♦) Es scheint also leider noch immer Wanderer und Wandrerinnen zu geben, die sich das nicht selbst besorgen!? M. R.

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