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Blau-Weiss-Blätter · 1915-01-01 · 8 (1.1915) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1914-1915)
Issue
8 (1.1915)
Date
1915-01-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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so machtvoll und prächtig und zugleich doch so heimlich und warm» Ihr alle, die ihr unser Prag nicht kennt, von der alten Prager Brücke habt ihr sicher schon gehört, die hohe gotische pulvertürme an den Enden und viele Statuen auf den Pfeilern hat. . Mit Palästen, Gärten und winkeligen Gassen liegt unter der Brücke die Insel Kampa» Eine breite Stiege führt von der Brücke hinunter auf einen stillen Platz, wo viele Bäume, hohe barockgegiebelte Däuser mit rankenverbrämten Fenstern sind. Rein Wagen fährt vorbei, kein eiliger Schritt ist zu hören, niemals, auch am Tage nicht. Rinder spielen, alte Männer und Frauen fitzen, wenn es warm ist, auf den Bänken unter den Bäumen. Wie er vor 200 Jahren war, so ist dieser Platz geblieben, in seiner stillen Schönheit. — hier ist unser heim. Ein viereckiger Hof, viele Bogen. Die Stiege geradarmig, Kreuzgewölbe. Vorbei am heim der beiden deutschen Prager Wandervögelgruppen und wir find am Ziel. Wir haben eine kleine Rüche, eine Rammer und zwei Helle große Zimmer. Alles soll bewohnbar sein. Deshalb ist die Rüche vollständig mit Geschirr ausgestattet; im ersten Zimmer, das für Heimabende bestimmt ist, ein großer Tisch mit reiner Platte aus Hellem Holz, eine große Hängelampe und unser Stolz: das Harmonium. Das zweite Zimmer soll mehr heimlich sein. Nicht für den größeren Rreis des ganzen Zuges, sondern für freundschaftliches Zusammensein einiger oder der Führer. Eine Ecke mit Rorbstühlen vor einem Tischchen, der Bücherschrank. Eine Handbibliothek mit Mappenwerken und schönen Büchern wollen wir noch, anlegen. Bilder an den Wänden, Decken auf den Tischen, Blumen in Vasen, Vorhänge an den Fenstern. Wir wollen keine „Bude", kein Vereinszimmer haben. Es wäre ja auch undenkbar, hier, wo ein , Nußbaum bis in die Fenster wächst, wo unten ein schmaler Arm der Moldau uns glauben macht, wir seien in einem Palazzo von Venedig. — Ich habe es schon gesagt, daß ich glaube, in der ganzen Welt gibt es keinen Blau-Weiß, der ein solches heim hat wie wir. Das glaubt mir aber: Jedes Stückchen unserer Einrichtung konnte eine Geschichte erzählen, wie mühevoll es erworben wurde, wie viel Liebe mit ihm in unser heim getragen wurde. Wir haben gearbeitet (nicht alle! manche kommen jetzt und reden) — wir werden noch arbeiten. Unsere Buben werden jetzt die Zimmer tünchen, die Fenster streichen, die Fußböden lackieren, das Sofa überziehen. Wir find nicht müßig. Unsere Gisa Witroßky (sie wird schrecklich rot werden, daß ich 12

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